Ansprüche an pädagogische Qualität von
Lehrerfortbildung aus der Innensicht
Die systeminternen Qualitätsansprüche
an die Lehrerfortbildung in NRW sind in einer 1995 erschienenen Broschüre
mit dem Titel "Gute LehrerInnen - gute Schulen" (hrsg. vom Landesinstitut
für Schule und Weiterbildung) zusammengefaßt. Demnach werden
Veranstaltungen der Lehrerfortbildung nachgefragt bzw. angeboten, "um Lehrerinnen
und Lehrern Gelegenheit zu bieten, in gemeinsamen, kollegialen Entwicklungs-,
Arbeits- und Reflexionsprozessen ihre bisherige Praxis zu überdenken,
neue Arbeits- und Lösungsansätze kennenzulernen, weiterzuentwickeln
und zu erproben." Als Leitlinien zur Umsetzung jener Prozesse werden
folgende Prinzipien formuliert:
"(längerfristig) zu beobachten
und zu analysieren, welche Verbesserungen in der Praxis notwendig und möglich
sind,
Ideen, Ansätze und Verfahren zur Verbesserung von Unterricht und Schule zu entwickeln, zu erproben und sie dabei zu beobachten bzw. darüber zu berichten,
Anregungen zu modifzieren und zu evaluieren,
eine Vielzahl von Verfahren (Simulation, Beobachtung, Projekt, Materialerprobung) bei der Fortbildungsarbeit kennenzulernen und einzuschätzen,
die Notwendigkeit zu erkennen, sich immer wieder neue Ziele für eine berufliche Entwicklung zu setzen, Fortbildungsbedarf zu erkennen und Fortbildungsbedürfnisse zu formulieren" (5. 13).
Daraus werden folgende didaktische Grundprinzipien für die staatliche Lehrerfortbildung in NRW abgeleitet:
Sie greift die Praxis der Schule auf und arbeitet praktisch für die Schule,
sie bearbeitet Probleme, die bereits bestehen, oder arbeitet präventiv an Problemen, mit denen Schule in der Zukunft konfrontiert werden wird,
sie geht bei der Planung, Durchführung
und Evaluation auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und ihre Lernvoraussetzungen
ein,
sie bezieht bei der Durchführung
und Auswertung systematisch Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung ein
(vgl. 5. 14).
Für die Umsetzung in den
einzelnen Fortbildungsveranstaltungen heißt dies u. a., daß
die LehrerInnen bei Bedarfsermittlung, Zielsetzung, Entwicklung, Durchführung
und Evaluation beteiligt und zur Kollegialität und Zusammenarbeit
angeregt werden sollen, Risiken übernehmen und individuelle Ziele
der (fachlichen) Arbeit in die Ziele der Schule integrieren. Die für
unterschiedliche Zielgruppen erstellten Materialien sollen diese Ziele
unterstützen.
Aufgrund der sich ständig
wandelnden Ansprüche und gesellschaftlichen Herausforderungen suchen
die Verantwortlichen für die Lehrerfortbildung in NRW nach neuen Ansätzen
und Konzepten, um die Quälität von Fortbildung kontinuierlich
weiterzuentwickeln und zu sichern. Dazu wurden von der Arbeitsgruppe "Wirksamkeit
und Zukunft der Lehrerfortbildung" folgende Fragen formuliert, denen die
Peer Reviewer in ihrer Feldarbeit u. a. nachgegangen sind (die allerdings
nicht alle in diesem Bericht beantwortet werden können):
Sind Beteiligungs- und Abstimmungsprozesse
der angestrebten kooperativ-partizipativen Arbeits- und Organisationsstruktur
angemessen und effektiv? Besitzt das kooperative System genügend (Selbst-)Innovationskräfte
für die Aufgaben der Zukunft?
Ergänzen sich zentral und
dezentral geplante Fortbildungsangebote wirklich in haltich und organisatorisch?
Sind Qualifizierung, Einsatz
und ggf. auch Gewinnung von Moderatorinnen und "Moderatoren optimal? Können
die Teilnehmer- und Moderatorenmaterialien verbessert werden?
Zeigen die Fortbildungsmaßnahmen
positive Veränderungen im Unterricht? Wie gelingt insbesondere die
Implementierung von Fortbildungsinhalten zu "allgemeinpädagogischen
Themen" in den Unterricht? Reicht es, die Praxisanbindung in der Fortbildung
zu ermöglichen, oder muß die Anbindung an die laufende Unterrichtspraxis
eine Bedingung für die Teilnehmerauswahl sein? Soll die Praxisanbindung
eventuell durch Berichte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nachgewiesen/dokumentiert
werden?
Reicht die Qualitätssicherung
von Fortbildung aus? Wie kann der Aufbau von Verfahren zur Selbstevaluation
in Fortbildungsmaßnahmen unterstützt werden?
Kann durch Fortbildungsplanung
der einzelnen Schule die Wirkung von Fortbildung für den einzelnen
und für die Schule verbessert werden? Können/sollen die Fortbildungsdezernate
stärker als bisher eine systembezogene Beratungstätigkeit der
einzelnen Schule im Hinblick auf Fortbildungsplanung, -bedingungen und
-angebote leisten?
Entsprechen Angebot und Gestaltung
systembezogener Lehrerfortbildung den Erfordernissen?
Ist die Beteiligung der Teilnehmerinnen
und Teilnehmer an der Planung von Fortbildung ausreichend?
Hat die Teilnahme an Lehrerfortbildungsmaßnahmen
für den beruflichen Weg des/ der einzelnen Lehrenden (Aus-) Wirkungen?
Sind sie nachvollziehbar, transparent?
Werden den "Abnehmern" und der
Öffentlichkeit die Leistungen, die Stärken und die Schwächen
der Lehrerfortbildung in NRW genügend deutlich? Werden die Angebote
der Lehrerfortbildung wirklich allen Lehrerinnen und Lehrern bekannt? (Gute
LehrerInnen - gute Schulen, 5. 25-26).
Diese Fragen stellten für
die Peer Review den Ausgangspunkt der theoretischen und praktischen Auseinandersetzung
mit dem Fortbildungssystem in NRW dar. Im Rahmen der Feldphase hat sich
der Fokus von den ursprünglich vorgebrachten Fragen (umschließendes
Feld) des Auftraggebers (A) ausgeweitet, so daß auch andere Gesichtspunkte
ins Blickfeld des Interesses der Evaluatoren (E) gerieten, ohne die eine
Qualitätseinschätzung im Rahmen des Gesamtsystems Schule schwer
möglich wäre (vgl. Abbildung).