Empfehlungen im Abschlußbericht der Evaluationskommission zur Wirksamkeit und Zukunft der Lehrerfortbildung in NRW:
Ganz in den Vordergrund stellt die Kommission die Forderung:
Menschen zuerst!
Der persönlichen Entwicklung der einzelnen LehrerIn soll mehr Augenmerk gewidmet werden, Eltern und SchülerInnen sollen in Fortbildungsmaßnahmen einbezogen werden.
Persönliche Fortbildung - was das heißt kann man im Konzept von ULEF nachlesen: nachhaltiges Kommunikationstraining und nachhaltiges Teamtraining.
Erst dann folgen Stichworte wie "Stärkung der einzelnen Schulen", der "dezentralen Elemente des Fortbildungssystems", Gedanken zur Steuerung, zur Finanzierung und zur Wirtschaftlichkeit der Fortbildung.
Stärkung der einzelnen Schulen heißt nicht: Stärkung der einzelnen SchulleiterInnen. Es geht eben nicht darum, den Durchgriff auf die einzelne (faule) LehrerIn zu effektivieren, indem die SchulleiterIn vor Ort für das Prinzip 'hire and fire' gestärkt wird, sondern daßß die pädagogische Aufgabe von Chancengleichheit und Demokratisierung nach dem Prinzip "fördern statt auslesen" effizienter bewältigt wird.
In den Erläuterungen gibt es 8 Stichworte. Da der Bericht von 1996 ist, kann man an der Realität ablesen, was mit solchen Kommissionsberichten geschieht: Sie landen in der Schublade.
Wichtigste Forderung der Kommission ist die Verankerung der Pflicht zur Fortbildung in der beruflichen Selbstdefinition der LehrerInnen. Vordringliche Aufgabe der Fortbildung ist die "Beendigung der 'Einzelkämpfer-Prasis'".
Vollkommen konträr dazu hat die Fa. Mummert & Partner in der von ihr durchgeführten Arbeitszeituntersuchung vorgeschlagen, die Zeit für Fortbildung auf 50 Stunden im Schuljahr zu normieren.
Die Teamarbeit sollte an allen Schulen des Landes - Bildung von Jahrgangsteams, Projektarbeit, Schulleitungsstrukturen - vorrangige Priorität haben.
Na ja, wir arbeiten doch alle in irgendeinem Team - oder? Die Lektüre der landesweiten sowie der regionalen Fortbildung - zumindest in NRW - ergibt jedenfalls eine komplette Fehlanzeige.
"Lernende Schulen benötigen eine Fortbildungskultur ..." - ist nicht in Sicht.
Fortbildung ist nach wie vor in Konkurrenz zu Unterricht. Weder sie Organisation von Schule noch die von Fortbildung sind geeignet, diesen Gegensatz aufzuheben. Die gewollt bis an die Untergrenze ausgedünnte Personalsituation eröffnet ebenfalls keinerlei Handlungsräme
Die Schule selbst soll zur primären Einheit der Bedarfserfassung und -planung werden. Da jedoch innerschulisch die notwendigen Strukturen und das notwendige Bewußsein dafür - fehlen, ergibt sich folgendes Bild:
Fortbildungsplan/Fortbildungsbudget/Pilotversuch
Die Praxis zeigt: die Fortbildungen der Bezirksregierungen werden zusammengestrichen und die landesweite Fortbildung wird zunehmend von finanzstarken Firmen durchgeführt, die von ministerieller Ebene oder gar von der KMK eingefädelt werden, vorbei an allen Strukturen der Mitbestimmung und natürlich außerhalb der Unterrichtsszeit auf die sowieso schon zu hohe Arbeitszeit draufgesattelt.
Die geforderte "schulnahe Fortbildung" findert zwar als SCHILF zunehmend statt, kocht aber oft im eigenen Saft und dient mehr der Umsetzung von oben vorgegebener Ziele statt der angestreben Verständigung zwischen den KollegInnen.
Solange das Dasein als ModeratorIn und Unterrichtsverpflichtung gekoppelt ist, bleibt es immer bei der Doppelbelastung der Menschen, die diese Aufgabe auf sich nehmen. Die eherne Maxime: "Der Kontakt zur Basis" übersieht, daß Unterricht ganz anderen Gesetzen gehorcht als Fortbildung. Wer gut mit SchülerInnen klar kommt, muß nicht unbedingt auch ein effizienter Fortbildner sein. Methoden, die im Unterricht erfolgreich sind, sind nicht automatisch tauglich für Lehrerfortbildung. Eher umgekehrt.
Besonderes unsinnig ist es, daß für ModeratorInnen keine Beförderungsstellen vorhanden sind. Die Fluktuation in Schulleitungsstellen oder gar ins Ministerium ist hoch und offenbart die Unfähigkeit, Fortbildung professionell zu managen. Stattdessen wird darüber nachgedacht, wie Schulleitungsmitglieder weiterhin als FortbildnerInnen tätig sein können. Damit wird man weder der Aufgabe als Schulleitung noch der Aufgabe als FortbildnerIn gerecht. Immer bleibt die Doppelbelastung durch divergierende Aufgabenfelder bestehen, die Überlastung vorprogrammiert.
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