Konzept der 'Lernenden Schule'

Erläuterungen zu den Empfehlungen im Abschlußbericht der Evaluationskommission zur Wirksamkeit und Zukunft der Lehrerfortbildung in NRW:

Hier der ungekürzte Originaltext:
Quelle: Wirksamkeit und Zukunft der Lehrerfortbildung in Nordrhein-Westfalen
Abschlußbericht der Evaluationskommission
Schriftendreihe des Ministeriums für Schule und Weiterbildung (Hrsg.), Heft 56



1. Fortbildung als Berufspflicht Wir empfehlen eine breite standespolitische Diskussion über Lehrerfortbildung als Berufspflicht aller Lehrerinnen, um der Fortbildung den ihr gebührenden Stellenwert zu geben. Den Berufsorganisationen im Lande Nordrhein-Westfalen wird empfohlen, in dieser Diskussion eine aktive und führende Rolle zu übernehmen. Ziel der Diskussionen sollte die Definition eines umfassenden Berufsverständnisses sein, in das Fragen des Berufsauftrags, des Arbeitszeitverständnisses und der Art und des Umfangs von Verpflichtungen (im Sinne eines 'contract social' der Lehrerschaft gegenüber Schülerinnen, Eltern, Kommunen und Schulaufsicht) eingeschlossen sind.

Wichtig scheint uns dabei insbesondere eine Beendigung der 'Einzelkämpfer-Praxis' in der Wahrnehmung von Fortbildung. Notwendig ist vielmehr die Öffnung der individuellen Fortbildungspraxis für Gespräche und Aushandlungen im Kollegium. Die Fortbildungserfahrungen des/der einzelnen müssen im Sinne eines Know-how-Transfers für das ganze Kollegium und für lokale schulübergreifende Initiativen nutzbar gemacht werden.
 

2. Fortbildung zur Stärkung der Teamarbeit Die Fortbildung des Landes Nordrhein-Westfalen sollte genutzt werden, um die Teamarbeit in den Schulen des Landes (überalI dort, wo dies möglich ist (beim TeamTeaching, bei der Bildung von Jahrgangsteams, in der Projektarbeit, beim Aufbau kollegialer Schulleitungsstrukturen, in der Fortbildung und der Moderatorenarbeit selbst), zu stärken. Die schwieriger gewordenen Aufgaben und Probleme alltäglicher Unterrichtsarbeit erfordern in zunehmendem Umfang eine solche 'Team-Kultur'. Teamarbeit kann zugleich helfen, die berufliche Isolierung von Lehrern und Lehrerinnen am Arbeitsplatz zu überwinden. Damit die Teambildung und die Erprobung weiterer Kooperationsformen gelingen kann, muß Fortbildung stärker als in der Vergangenheit auch einen Beitrag zur persönlichen Weiterentwicklung von Lehrerinnen leisten.
  3. Leitbild Die einzelne Schule sollte zum Ausgangs- und Bezugspunkt der Weiterentwicklung des Fortbildungssystems des Landes Nordrhein-Westfalen gemacht werden. Wir empfehlen die Ausrichtung dieser Entwicklungsarbeit am skizzierten Leitbild einer Lernenden Schule.

Lernende Schulen benötigen eine Fortbildungskultur, in der individuelle Maßnahmen zur Professionalisierung (fachliche, pädagogische und per sönlichkeitsbezogene Weiterbildung) mit den Entwicklungsbedürfnissen und Perspektiven der Schule insgesamt abgestimmt werden. Dazu gehören auch die Bereitschaft und die Kompetenz, den Entwicklungsfortschritt der einzelnen Schule regelmäßig intern zu überprüfen (= Selbstevaluation) und darüber nach außen Rechenschaft abzulegen.
 

4. Das Fortbildungskonzept der Lernenden Schule:
Fortbildungsplan/Fortbildungsbudget/Pilotversuch
Für ein funktionierendes Steuerungssystem einer bedarfsorientierten Lehrerfortbildung ist es unerläßlich, die einzelne Schule zur primären Einheit der Bedarfserfassung und -planung zu machen. Dem dienen folgende Instrumente:. Zur Erprobung einer solchen schulbasierten Fortbildungsplanung, ihrer organisatorischen Umsetzung und der Budgetierung empfiehlt das Evaluationsteam, einen Pilotversuch durchzuführen, der 5. Stärkung der dezentralen Strukturen des Fortbildungssystems Wir empfehlen, die dezentralen Strukturen des nordrhein-westfälischen Fortbildungssystems auszubauen, um eine schulnahe Fortbildung zu stützen, um die Vielfalt der Fortbildungsziele, der Fortbildungsthemen und ihrer Organisationsformen zu erhöhen und so zur Offenheit und Lebendigkeit des Gesamtsystems beizutragen. Dem dienen u. a. die folgenden Maßnahmen und Instrumente: 6. Aus- und Fortbildung der Moderatorlnnen Der Aufbau des Moderatorensystems durch den Kooperationsverbund kann bundesweit als beispielhaft gelten. Die Aus- und Weiterbildung der Lokal- und Regionalmoderatorlnnen sollte jedoch intensiviert werden; auch hier gilt der Grundsatz, daß eine regionale Vielfalt der Aus- und Weiterbildungsformen der Moderatorlnnen zu fördern ist.

Die ausgebildeten regionalen, lokalen und landesweit eingesetzten Moderatorlnnen bedürfen einer begleitenden Fortbildung (einschließlich Angeboten der Praxisberatung und Supervision). Die Modalitäten der Freistellung für Moderationsaufgaben sollten überprüft werden; eine befristete vollständige Freistellung (für ein halbes oder ein ganzes Schuljahr) ist in Erwägung zu ziehen.

Die Auswahlmechanismen für ModeratorInnen und die (offensichtlich relativ große) Fluktuation unter den verfügbaren Moderatorlnnen sollten überprüft werden. Beim Wechsel in Funktionsstellen des Schulsystems des Landes Nordrhein-Westfalen sollte eine Weiterführung der Moderationstätigkeit möglich sein. Auch Fachleute, die nicht in einer Lehramts-Laufbahn sind, sollten als Moderatorlnnen im Kooperationssystem arbeiten können.
 
 

7. Kooperationsverbund. Wir empfehlen, den unter Leitung des Ministeriums für Schule und Weiterbildung arbeitenden 'Kooperationsverbund' des Fortbildungssystems in zwei Steuerungsgremien aufzugliedern: 8. Abbau administrativer Hemmnisse Die Verfahren, mit denen die Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen geregelt wird, sollten vereinfacht werden. Die Mitwirkungsrechte der Personalvertretungen sollten insbesondere bei der schulinternen und schulnahen Fortbildung auf Grundsatzentscheidungen bezogen werden. Dort, wo die Zahl der BewerberInnen für eine Fortbildungsmaßnahme kleiner ist, als die Zahl der zur Verfügung stehenden Teilnehmerplätze, sollte das Verfahren noch weiter vereinfacht werden.

Schulen und einzelne LehrerInnen, die einen Teil ihrer Fortbildung in den Schulferien ableisten wollen, sollten dazu ermutigt werden. Die Genehmigung von Fortbildungsmaßnahmen im Ausland sollte vereinfacht werden.



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