Konzept der 'Lernenden Schule'

Problemstellen und Knackpunkte

Schon im Abschlußbericht der Evaluationskommission zur Wirksamkeit und Zukunft der Lehrerfortbildung in NRW wurde auf folgende bestehende Problemstellen aufmerksam gemacht:

"Bei folgenden Elementen des Fortbildungssystems sehen wir Problemstellen:

  1. bei der immer noch in weiten Bereichen vorherrschenden Fortbildung der LehrerInnen in der Rolle des/der Einzelkämpferln
  2. bei der in bestimmten Bereichen zur Beliebigkeit verkommenden Freiwilligkeit der Fortbildung
  3. bei der teilweise kontraproduktiv wirkenden Gestaltung der Beteiligungsrechte bei der Fortbildungsplanung
  4. bei der bei vielen, aber nicht allen Lehrerinnen vorherrschenden Einstellung, Fortbildung und Schulferien seien nicht vereinbar
  5. bei den äužerst langen Fristen von der Planung bzw. Vorbereitung bis zur Durchführung landesweiter Mažnahmen
  6. bei auftretenden Diskrepanzen zwischen Bedarfsmeldungen von Lehrerinnen bzw. Schulen und Bedarfsdeckungen durch das System
  7. beim vielfach fehlenden Bezug einzelner Fortbildungsmažnahmen zur "lernenden Schule im Rahmen von Schulentwicklung"
Spannungsfeld von "Unterrichtsausfall" und "soll-in-den-Ferien-stattfinden"

Dazu kommt noch ein systemimmanentes Problem: Fortbildung kostet Zeit und wird in der Regel im Spannungsfeld von "Unterrichtsausfall" und "soll-in-den-Ferien-stattfinden" diskutiert. Die Ursache dafür ist die fragwürdige Gleichsetzung von Arbeitszeit = Unterrichtszeit. Je nach Standpunkt scheint nur die eine oder andere Lösung möglich.

Die Praxis zeigt aber ein anderes Bild (Vgl. Untersuchung von Mummert und Partner, Band 1, S. 79f):

Fortbildung wird angeboten von a) freien Trägern und vom b) Arbeitgeber (Ministerium, Bezirksregierungen, Schulen) und Fortbildung wird während und außerhalb der Unterrichtszeit angeboten.

  1. Der Arbeitgeber stellt gar kein ausreichendes Fortbildungsangebot zur Verfügung
  2. Fast zweidrittel aller LehrerInnen nehmen an Fortbildungen in den Ferien teil
  3. Der Anteil der in den Ferien wahrgenommenen Fortbildung liegt bei über 60 %
Auswahl und Beförderung der ModeratorInnen

Eine weitere Schwierigkeit ist, die Auswahl der ModeratorInnen und die mangelnde Möglichkeit des hierarchischen Systems, 'gute' ModeratorInnen zu 'belohnen'. In der Regel werden die ModeratorInnen 'angesprochen'. Transparenz durch Ausschreibung ist verpönt. Interessierten Menschen wird damit der Zugang zu einem Tätigkeitsfeld erschwert. Umgekehrt kommen so auch Menschen in die Fortbildung, die die Fortbildung nur als Durchgangsstation sehen.

Warum das so ist, wird sofort deutlich, wenn man sich ansieht, was mit ModeratorInnen oft geschieht: Sie werden befördert, werden Schulleitungsmitglieder. Damit ist zwar das Problem personell gelöst, aber die Fortbildung kaputt. Herrvorragend ausgebildet durch die Moderatorenausbildung sitzen solche Menschen dann auf Verwaltungsposten, während der ModeratorInnen-Bestand ausblutet.

Systemische Ausblendung von Fortbildungsbedarfen

Zwar werden durch den Projektmittel-Topf Schulen Fördermittel zur Verfügung gestellt, mit denen Sie auch 'Fortbildung' einkaufen können sollen, doch klafft ein erheblicher Gegensatz zwischen den (berechtigten) Honoraransprüchen freiberuflicher FortbildnerInnen und dem, was dann der Schule aus diesem Topf zur Verfügung steht. Zwar gelingt es nach dem Windhundverfahren (wer zuerst kommt, bekommt zu erst) die eine oder andere Fortbildung durchzubekommen. Prozeßbetreuung und -begleitung bei Schulentwicklungsprozessen sind damit jedenfalls nicht zu finanzieren.

Supervision - ein in fast allen anderen Berufen, die mit Menschen zu tun haben, nicht wegzudenkendes Verfahren zur Optimierung der Arbeitseffizienz, ist an Schulen ein Fremd-, wenn nicht Reizwort. Die Qualifikation für SupervisorInnen im Schulbereich scheitert an den Kosten für so eine anerkannte Ausbildung mit Zertifikat und an der bereits beschriebenen Beförderungssystematik. Lieber nimmt man zunehmende Frühpensionierung in Kauf, als für die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu sorgen.

Hoffnungsvolle Verfahren, wie das Institutionelle Schulentwicklungs Programm (ISP) von H.G. Rollff entwickelt, scheitern daran, daß dies nicht als 'normales' Verfahren einer Organisationsentwicklung verstanden wird, sondern als Verfahren Schulen zu helfen, wenn die Karre im Dreck steckt. Wer will dann noch ISP?




Weiterführende Literatur:



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