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E. u. C. Freinet

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    Die Freinet's

  • Texte von E. & C. Freinet

  • Prof. Dr. Gerald Schlemminger

    Lebensdaten von Célestin Freinet 1

    1) Es handelt sich hier natürlich um eine subjektive Auswahl und Beschreibung der objektiven Lebensdaten, die meinem Zugang zur Freinet-Pädagogik entspricht. Interessant ist sicherlich der Vergleich mit den "Biographischen Angaben", wie Maurice FREINET (1998) sie in der deutschen Ausgabe der pädagogischen Werke Célestin Freinets ausgewählt hat.

    In : Inge Hansen-Schaberg und Bruno Schonig (Hrsg.) (2001): Freinet-Pädagogik. Reformpädagogische Schulkonzepte, Bd. 5. Baltmannsweiler, Schneider-Hohengehren



    1896 Am 26. Okt. wird Célestin Jean-Baptiste als 5. von 6 Kindern als Sohn von Marie Victoire Freinet geb. Torcat und Joseph Delphin Freinet in Gars (Département Alpes Martimes) geboren. Zur Familie gehört auch noch ein Pflegekind. Die Eltern führen in dem kleinen, abgeschiedenen Dorf einen Krämerladen zusammen mit einer Bauernwirtschaft2.
    2) Für die Kindheit und Jugend Célestin Freinet ist am ausführlichsten Maurice FREINET (1997).

    1898 Am 14. Aug. wird Élise (spätere Ehefrau von Célestin Freinet) als 3. von 6 Kindern in die Grundschullehrerfamilie von Julie und Claude Lagier-Bruno in Pelvoux (Hautes Alpes) geboren.

    1900 Einschulung von Célestin Freinet in die einklassige Dorfschule.

    1908 Célestin Freinet macht den Volksschulabschluss "Certificat d’Études Priamires", Eintritt in die weiterführende Schule [École spuérieure] in Grasse, zunächst 3 Jahre im "Collège Carnot", dann 1 Jahr auf dem "Lycée Amiral-de-Grasse", das die Aufnahmeprüfung zum Lehrerseminar vorbereitet.

    1912 Sekundarschulabschluss "Brevet élémentaire", Aufnahme in das Lehrerseminar "École normale d’instituteurs" (16 Plätze pro Jahrgang) in Nice, das in 3 Jahren auf den Volksschulehrberuf vorbereitet und Abitur ("Brevet supérieure") nach 2 Jahren einschließt.

    1914 Nov. Schulabschlussprüfung "Brevet supérieure", Beginn des schulpraktischen Jahrs.

    1915 April: Abbruch der Ausbildung, Einberufung zum Militärdienst; Okt.: Ausstellung des Schulabschlusszeugnisses "Certificat de fin d’études normales"; Ausbildung an der Militärschule in Saint-Cyr.

    1916 - 17 Fronteinsatz im Nord-Osten von Paris, wo er am 23. Okt. 1917 verletzt wird.

    1918 Lazarett, Einsatz in der Etappe, Ausmusterung kurz vor Kriegsende.

    1919 Einsatz als Aushilfslehrer in kleinen Dörfern des Département Alpes Martimes, unterbrochen von Krankheitsurlauben; die Politisierung Célestin Freinets setzt ein. Die Kriegsverletzung führt zur Festanstellung als Lehrer.

    1920 Stellvertretender Volksschullehrer an der Jungenschule in Bar-sur-Loup (Alpes Martimes); Célestin Freinet holt die Prüfung zur Lehrbefähigung "Certificat d’Aptitude Professionnelle" (C.A.P.) nach. – Er wird Mitglied der Lehrergewerkschaft "Fédération Unitaire de l’Enseignement".

    1922 Fällt bei der schriftlichen Prüfung zum Französischlehrer an Lehrerausbildungs- und weiterführenden Schulen (École supérieure primaire) durch; lehnt Abordnung an die weiterführende Schule in Brignoles ab; wird pädagogischer Sekretär der Gewerkschaftssektion Alpes Maritimes; trifft in Deutschland mit Peter Petersen zusammen, besucht die anarchistischen Schulversuche in Hamburg-Altona.

    1923 Trifft mit dem engagierten Pazifisten Henri Barbusse zusammen, schreibt in seiner Zeitschrift Clarté über die deutschen Schulversuche; nimmt zum ersten Mal an dem Kongress der Reformpädagogen "Ligue internationale pour l’Éducation nouvelle" in Montreux (Schweiz) teil; führt die Erkundung ("classe promenade") in seiner Klasse ein.

    1924 Führt Druckerei, die Technik des freien Textes, die Schulzeitung, Filme vorführen und drehen (Machart "Pathé-Baby") ein und schafft Fibeln ab; kritisch wohlwollender Bericht der Schulratsinspektion; Élise Lagier-Bruno liest Artikel von Célestin Freinet und nimmt mit ihm Kontakt auf.

    1925 Beginnt die erste Klassenkorrespondenz mit einer Jungenklasse aus Lyon, dann mit einer Schule aus Brüssel; die Panrussische Lehrergewerkschaft lädt französische Gewerkschaftsdelegation ein, an der Célestin Freinet teilnimmt. Er lernt die politisch und künstlerisch tätige Élise Lagier-Bruno, die aus einer sozialistisch engagierten Grundschullehrerfamilie kommt, kennen; ein Polizeibericht der Stadt Cannes erwähnt zum 1. Mal Célestin Freinet, der auf einer öffentlichen Versammlung über seine Russlandreise berichtet hat.

    1926 Heirat zwischen Élise Lagier-Bruno und Célestin Freinet; Élise verlängert ihre Beurlaubung vom Schuldienst (die sie eingereicht hatte, um Kunstkursen in Paris folgen zu können) und zieht nach Bar. Célestin Freinet wird Generalsekretär der Gewerkschaftssektion Alpes Maritimes; erste Zeitungsartikel erscheinen über die innovative Pädagogik Célestin Freinets; er tritt – wahrscheinlich auf Veranlassung von Élise Freinet – der kommunistischen Partei Frankreichs (P.C.F.) bei.

    1927 Auf dem Lehrergewerkschaftskongress Gründungskongress der Bewegung der Schuldrucker "Coopérative d’entraide L’imprimierie à l’école" und Herausgabe der Zeitschrift L’Imprimerie à l’école / Bulletin mensuel de la Coopérative d’entraide L’imprimierie à l’école; die Gewerkschaft initiiert die Gründung der Kino-Kooperative "Cinématique Cooperative de l’Enseignement Laîc", an der auch Célestin Freinet teilnimmt; Élise Freinet erhält den Malerpreis "Gustave Doré".

    1928 Beide Kooperativen schließen sich zur LehrerInnen-Kooperative "Cooperative de l’Enseignement Laïc" (C.E.L.) zusammen
    3; die Freinets nehmen am Kongreß der kommunistischen "Internationale der Bildungsarbeiter" in Leipzig teil; Célestin Freinet nimmt eine Stelle in der Jungen-Volksschule in Saint-Paul an, in der (enttäuschten) Hoffnung, das beide hier unterrichten können; die Schule ist in einem baulich und hygienisch sehr schlechten Zustand.
    3 Zur Entwicklung und Loslösung der C.E.L. von der Gewerkschaft, siehe Luc BRULIARD / Gerald SCHLEMMINGER (1996, S.73 ff) und Fabienne BOCK (1978).

    1929 Die C.E.L. hat erste finanzielle Probleme (die sie bis zur Auflösung 1986 permanent begleiten); die erste Arbeitskartei erscheint; 8. Aug.: das einzige Kind der Freinets Madelaine wird geboren.

    1930 Aufgrund des schlechten baulichen und hygienischen Zustand der mit 47 Schülern überfüllten Klasse entzündet sich ein Konflikt zwischen Schulaufsicht, Bürgermeister und Célestin Freinet (der sich deshalb mehrmals krank schreiben läßt); eine 2. Klasse wird eröffnet, aber Élise Freinet erhält nicht die Stelle; sie wird in der Mädchenschule von Saint-Paul ernannt; Célestin Freinet führt die Schallplatte in seinen Unterricht ein;
    Élise Freinet macht sich in Naturheilkunde und vegetarischem Essen kundig.

    1931 Élise Freinet erhält wegen akuter Tuberkulose einen Krankheitsurlaub, der zwei Jahre dauern wird.

    1932 Der Zustand der Jungenschule von Saint-Paul ist immer noch in hygienisch schlechtem Zustand; die erste Nummer der Reihe "Bibliothèque de travail" erscheint; Célestin Freinet nimmt am Kongreß der "Ligue internationale pour l’Éducation nouvelle" in Nice teil, Kongressteilnehmer besuchen einen Tag lang seine Klasse in Saint-Paul. Der Konflikt mit dem Bürgermeister und Honoratioren des Dorfes spitzt sich zu einer politischen Affäre, die nationale Ausmaße erreichen wird, zu
    4; der Auslöser sind zwei freie Texte, die in der Klassenzeitung Les Ramparts erschienen sind5 und den Bürgermeister und der Pfarrer in ein schlechtes Licht stellen6.
    4) Wir haben gezeigt, dass Célestin Freinets Schwierigkeiten mit der Schulverwaltung zu dieser Zeit kein Einzelfall ist, sondern viele politisch engagierte LehrerInnen trifft und oft mit Versetzungen und Suspendierungen endet, wenn auch die Freinet-Affäre besonders kraß ist (cf. Luc BRULIARD / Gerald SCHLEMMINGER 1996, S.85 ff)
    5) Faksimile eines der beiden Texte in Michel BARRÉ (1996, S.114).
    6) Der anekdotische Aspekt der Affäre wird ausführlich von Madeleine FREINET (1997, S.215 ff)
    dargestellt.


    1933 Célestin Freinet wird daraufhin nach Bar-sur-Loup zurückversetzt, nimmt einen – zwei Jahre dauernden – Krankheitsurlaub, der der ihm wegen Kriegsinvalidität auch gewährt wird. Élise Freinet beantragt nach dem Krankheitsurlaub Beurlaubung vom Schuldienst, mit halber Besoldung; Die Freinets kaufen in Vence ein Grundstück im Viertel "Le Pioulier" auf, wo sie eine eigene (Internats-)Schule aufbauen wollen; die Initiative stößt bei den Mitstreitern von Célestin Freinet zunächst auf Unverständnis; in der Zeitschrift der C.E.L. L’Éducateur prolétarien erscheit jetzt eine ständige Rubrik "Vers le naturisme" (vegatarische Ernährung und Naturheilkunde), die von Élise Freinet geführt wird
    7.
    7) Élise Freinet ist Fruchtvegetarierin, Ernährungsweise, die sie auch im Schulinternat einführen wird; nach dem Prinzip der Freikörperkultur müssen alle Schüler das ganze Jahr über ein morgendliches Kaltbad im Schwimmbecken nehmen, in die Sauna usw. Siehe dazu auch Daniel HAMELINE (1994).

    1934 Die Freinets bauen die Schule und entsprechende Gebäude auf. Die ersten beiden Schüler treffen ein.

    1935 Da die gesetzlichen Fristen von 2 Jahren für Krankheitsurlaub bzw. Beurlaubung abgelaufen sind, reichen Célestin und Élise Freinet ihre Verrentung ein; eröffnen am 1. Okt. nach vielen administrativen Schwierigkeiten und zunächst ohne offizielle Erlaubnis ihre koedukative Internatsschule mit 13 Kindern und 5 Erwachsenen (Élise u. Célestin Freinet, Élises Mutter Julie Lagier-Bruno, Albert Belleudy und Fifine).

    1936 Die ersten Arbeiterkinder aus den Pariser Vororten werden eingeschult.

    1937 Die Freinets nehmen in ihrer Schule bis zu 30 Flüchtlingskinder spanischer Republikaner auf; die erste Nummer der pädagogischen Reihe Brochures d’Éducation nouvelle populaire er(wird später zu: Bibliothèque de l'École Moderne) scheint in der C.E.L.

    1939 Mit Kriegsausbruch werden die Veröffentlichungen der C.E.L. und die Schulzeitung zensiert.


    1940 Die letzte Nummer des L’Éducateur erscheint im März; 20. März: Célestin Freinet wird wegen kommunistischer Propaganda und Subversion (noch unter der 3. Republik) festgenommen und verweilt in mehreren Internierungslagern, unterbrochen von einem Krankenhausaufenthalt; die Schule muß auf Anordnung des Präfekten geschlossen.

    1941 Die Schule wird von einem Verein zur Unterbringung tschechoslowakischer Flüchtlingskinder genutzt; Élise Freinet verläßt mit ihrer Tochter
    8 Vence, um bei ihrer Mutter in Vallouise (Hauptes Alpes) zu wohnen. 29. Okt.: Célestin Freinet wird freigelassen und in Vallouise unter Hausarrest gesetzt.
    8) Die familiären Umstände und Kriegswirren führen dazu, dass Madeleine Freinet nie die höhere Schule besucht und so später nach dem Tod ihrer Mutter die Schule in Vence nicht leiten kann.

    1942 - 44 Célestin Freinet konzipiert und verfaßt in dieser Zeit seine Hauptschriften, die nach dem Krieg veröffentlicht werden (siehe Bibliographie von Célestin Freinet im Anhang 2).

    1944 Célestin Freinet nimmt an der Widerstandsgruppe F.T.P. ("Francs Tireurs et Partisans" von Béassac teil.

    1945 Célestin Freinet nimmt aktiv am "Comité départemental de Libération des Hautes-Alpes in Gap teil, baut in einem kath. Seminar dort ein Schulzentrum für Waisen- und Flüchtlingskinder auf, das aber dann schließen muss, weil die Kirche es wieder beansprucht; die erste Nummer des L’Éducateur erscheint im Febr.

    1946 Célestin Freinet zieht sich enttäuscht aus der Mitarbeit an der Schulreformkommission Langevin-Wallon zurück; Wiedereröffnung der Schule in Vence; Célestin Freinet unterrichtet nicht mehr an seiner Schule
    9; die Freinets wohnen jetzt in Cannes am Sitz der C.E.L., wo sich Célestin Freinet ganz dem Aufbau der Kooperative und der pädagogischen Bewegung widmet, nur am Wochenende kommen sie nach Vence.
    9) siehe auch Michel BARRÉ (1996, S.79, 111). Junge, unerfahrene Kollegen aus der Bewegung leiten die Klassen, wie Michel BARRÉ, M. E. Bertrand, A. Bonbonnelle.


    1947 Gründung der Pädagogik-Kooperative I.C.E.M. ("Institut Coopératif de l’École Moderne").

    1948 Die Freinets erneuern nicht ihre Mitgliedskarte der P.C.F.
    10.
    10) siehe. Henri PORTIER (1990).

    1949 Der Film L'école buissonnière von Jean-Paul Le Chanois über die Schule in Vence kommt heraus.

    1950-54 Öffentlicher Konflikt zwischen Célestin Freinet und der kommunistischen Partei Frankreichs.

    1957 Gründung der internationalen Vereinigung der Freinet-Bewegung F.I.M.E.M. ("Fédération Internationale des Mouvements de l'École Moderne").

    1959 Zur pädagogischen Diskussion wird (bis 1986) die interne
    ZeitschriftTechniques de Vie herausgegeben.

    1961 Nach heftigen Konflikten mit Célestin Freinet Abspaltung von Teilen der Pariser Gruppe I.P.E.M. ("L'Institut Parisien de l'École Moderne"), aus der die Bewegung der "Pédagogie institutionnelle" hervorgehen wird.

    1965 Nach heftigen Konflikten mit Célestin Freinet erneute Abspaltung von Teilen der Pariser Gruppe I.P.E.M.
    11
    11) Für eine genauere Analyse der Konflikte siehe Luc BRULIARD / Gerald SCHLEMMINGER (1996).

    1966 8. Okt.: Tod von Célestin Freinet.

    1966-76 Schule in Vence: Mehrere Spaltungen, die zu Schulneugründungen führen; die Schule von Vence, in der staatliche abgestellte, von dem Schulvorstand ausgesuchte LehrerInnen arbeiten, entwickelt sich unabhängig von der offiziellen Freinet-Bewegung I.C.E.M.

    1981 Tod von Élise Freinet.

    1986 Auflösung der C.E.L., Gründung des Verlags P.E.M.F. ("Publications de l’´École Moderne Française").

    1991 Die Privatschule von Vence wird als "Experimentierschule" in die staatliche Schulverwaltung übernommen.



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