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Beacon Hill School

Die Reformpädagogische Schule wird 1927 von Dora (geb. Black) und Bertrand Russell gegründet. Notizen dazu finden sich in B. Russells Autobiographie (Band 2, S. 230ff.), dort auch der Briefwechsel mit A.S. Neill (Ebenda, S. 277ff.). In der Schule werden zwanzig Schüler unterrichtet. Die Schule wird von den Russells bis 1932 geleitet. 1932 verlässt B. Russell die Schule und seine Ehefrau. Dora leitete sie weiter bis 1943

'Im Jahr 1927 trafen Dora und ich eine Entscheidung, für die wir gleichermaßen verantwortlich waren, nämlich, selbst eine Schule zu gründen, damit unsere Kinder so erzogen würden, wie wir es für richtig hielten. Wir glaubten, vielleicht zu Unrecht, dass unsere Kinder die Gesellschaft anderer Kinder brauchten, und wir uns daher nicht mehr damit zufrieden geben dürften, unsere Kinder ohne andere aufzuziehen. Aber wir wussten von keiner bestehenden Schule, die uns in irgendeiner Weise befriedigte. Wir wollten eine ungewöhnliche Kombination: auf der einen Seite waren uns Prüderie und religiöse Erziehung und viele Freiheitsbeschränkungen zuwieder, die in den konventionellen Schulen als selbstverständlich gelten; anderseits konnten wir nicht mit den meisten modernen Erziehern übereinstimmen,, die den Schulunterricht für unwichtig hielten und ein völliges Fehlen von Disziplin befürworteten. Wir bemühten uns daher eine Gruppe von etwa zwanzig Kindern zusammenzubringen, die ungefähr im gleichen Alter wie John und Kate waren; denn wir wollten diese Kinder während der gesamten Schuljahre bei uns behalten.'

Die Russels mieteten ein Haus mit 230 Morgen (ca. 1 km2) wilden Hügellandes von seinem Bruder, das Telegraph House. Die Kinder, so muss Russell erfahren, sind sehr grausam - teilweise hatten sie sogar Tötungsabsichten gegen Geschwister und einmal wäre beinah das Haus mit abgebrannt - und er musste sie ständig überwachen, wenn sie keinen Unterricht hatten. Die Bettgehzeiten, waschen und Zähneputzen sind vorgeschrieben. Manche der Kinder quittierten dies mit einem sarkastischen Spruch: 'Und das nennt man eine freie Schule!

B. Russell beklagt sich darüber, dass Eltern, die ihre Kinder dazu bewegen wollten, seine Schule zu besuchen und Journalisten auf der Suche nach Sensationen behaupteten oder glauben, an der Schule gäbe es überhaupt keine Beschränkungen und Zwänge. Die Kinder probieren natürlich aus, wo die Grenzen sind und Bertrand findet das oft sehr lästig.

Von A.S. Neill bekommt er am 26. 3. 1926 einen Brief. Neill schreibt ihm, daß es doch sehr erstaunlich sei, daß zwei Männer von ganz verschiedenen Geischtspunkten her zu den gleichen Schlüssen kommen können. Er fragt nach, ob Russell nichts von handwerklicher Tätigkeit in der Erziehung hält. Er selbst sei schon immer Hobbywerker und er vermutet, daß wenn die Kinder (den Philosoph) Russell über Sterne ausfragen, wo wird er von seinen Kindern über Werkzeug gefragt. Probleme führt Neill auf die eigenen Komplexe zurück. Die Einstellung Russells zur Sexualaufklärung und zur Masturbation findet er 'wunderbar'. Die Begeisterung von Russell über Montessori teile er dagegen nicht, sie ist ihm zu systematisch und moralisch, zu sehr Kirchenfrau. Vor allem der 'richtige' Umgang mit den Materialien bei Montessori lehnt er ab. Er will seine Kinder dezidiert nicht lenken.

1932 schreibt er 'Education and the Social Order'.

Quelle: B. Russell: Autobiographie II, S. 230f

Die Beacon Hill School ist eine der wichtigsten Pionierschulen der freiheitlichen Erziehung zusammen mit Summerhill.

Internetquellen: Literatur Russell, Bertrand:

Bertrand Russell