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Freinet-Pädagogik

Die Freinet-Pädagogik geht auf Élise und Célestin Freinet zurück. Das Lehrerehepaar gründete 1935 in Vence (Frankreich) ein privates Landerziehungsheim. Das Motto Freinet's war: "Den Kindern das Wort geben!" Dies erreichte er 1. durch eine weitgehende Gestaltung des Unterrichts zusammen mit den Kindern und 2. der Auswahl der Lerninhalte durch die Kinder selbst.

Die Organisationsform der Klasse und Schule als (landwirtschaftliche) Kooperative, als 'Gemeinschaft, die zusammenarbeitet um für alle Beteiligten ein Optimum zu erwirtschaften', zu verstehen. Schüler und Lehrer organisieren gemeinsam die Bildungsarbeit nach eigenen Möglichkeiten, Bedürfnissen und Interessen. Die Lernvorhaben der Schüler werden von der Klasse mitgeplant, unterstützt. Dazu gehört auch die wirtschaftliche Seite: Die Kooperative finanziert Arbeitsmittel und Erkundungen.

Es gibt deutliche Parallelen zur Tatschule von A. Ferrière und die Arbeitsschule G. Kerschensteiners. Mit der Druckerei und den Ateliers integriert Freinet handwerkliche Aktivitäten in den täglichen Unterricht. Sowohl die Druckerei als auch die Ateliers fördern die ästhetische und künstlerische Ausdrucksweise der Kinder. Der Vorrang der Arbeit an der Druckmaschine auch während des Unterrichts belegt, dass die Kinder die Verantwortung für ihr Lernen selbst tragen, sie sind dadurch Subjekte ihres eigenen Lernprozesses.

Im 'tastenden Versuchen' werden die Schüler selbst zu Forschern, Recherchespezialisten. Es werden Fragen geklärt, die den Kindern wichtig sind. Sie organisieren auch diese Arbeit selbst. Damit trägt Freinet die Selbstbestimmung der Kinder ins Allerheiligste von Schule: Kinder organisieren ihren eigenen Unterricht und die Inhalte.

Wie in einer wirklichen Kooperative werden die Fähig- und Fertigkeiten der Mitglieder der Kooperative = Klassengemeinschaft für die individuelle Bildungsarbeit genutzt. Jeder ist für seinen eigenen Ertrag verantwortlich, kann dafür aber auf die Hilfe und Unterstützung der Mitglieder der Kooperative zählen und stellt auch seine Ressourcen zur Verfügung. Die so verteilte Verantwortung schlägt sich in vielen 'Ämtern' nieder, die die Kinder nach gemeinschaftlichem Übereinkommen übernehmen. Ämter haben keinen Selbstzweck, sondern werden aktuell nach 'Arbeitslage' eingerichtet und besetzt. Eine Helferstruktur ermöglich Schülern gezielt Hilfe anbieten oder in Anspruch nehmen zu können.

Die Bewertung der eigenen Arbeit findet in der Kooperative statt. Die Rückmeldungen der Mitglieder und die eigene Zufriedenheit ersetzen eine äußere Fremdbewertung nach vermeintlich objektiven Maßstäben.

Die Lehrerfortbildung und Weiterentwicklung der Freinet-Pädagogik organisierten die LehrerInnen selbst. In kleinen Zirkeln entstehen mehrere 1000 Hefte zu allen möglichen Interessensgebieten. Diese 'Arbeitsbibliothek' für die Hand der Schüler ermöglicht ihnen einen ersten Einblick in ein Themengebiet, regt an, selbst zu Recherchieren und Untersuchungen anzustellen. Mit dem Verkauf der Hefte finanzieren sich die selbstgeplanten Fortbildungsprojekte der Lehrer.

Erziehung ist ein Prozess 'durch das Leben - für das Leben - durch die Arbeit'. Ein Prozess der durch gemeinsames, selbstbestimmtes Tun bewältigt werden kann - ein kooperativer Prozess. Durch die konsequente Anwendung seines Leitspruches: ...den Kindern das Wort geben und die Organisation der Klasse bleibt die Lebenswelt der Kinder auch in der Schule deren eigene Lebenswelt, die es zu erforschen und zu durchdringen gilt. Als Lehrer sind Freinet-Pädagogen nicht die Wegweiser an vorgegebenen Pfaden sondern die Begleiter und 'critical friends' für die Kinder auf ihrem Weg ins Leben.

Die Freinet-Pädagogik ist heute in fast allen Ländern Europas vertreten, aber auch in Afrika, Amerika, Australien und im asiatischen Raum.

Wie stellt die Freinet-Pädagogik das Kind in den Mittelpunkt?
In der Freinet-Klasse als Kooperative ist jedes Kind mitverantwortlich für die Arbeit und den Erfolg der Kooperative und damit auch für sein eigenes Lernen. Die Kooperative ist gleichzeitig vielfältiger Helfer für das Lernen der Einzelnen. Lernen ist die gemeinsame Aufgabe der Kooperative. Die Kinder entscheiden, an welchen Vorhaben sie arbeiten und beratschlagen, wie sie dabei vorgehen.

Auf einen Blick:

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