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Einheitsschulen


Einheitsschulen: Fritz Karsen (Berlin) - Paul Oestreich (BESch) - Max Greil (Thüringen) - Die nationale Einheitsschule


Die elastische Einheitsschule von Paul Oestreichs (BESch) 1919



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Die Einheitsschule von Paul Oestreich war immer nur eine 'Blaupause', ist also nie Wirklichkeit geworden. Sie war das Gegenmodell zur von der damaligen Verfassung vorgegebenen 'Alten Schule': Einheitsschule, Lebensschule, Produktionsschule, weltliche Schule - vom Kindergarten bis zur Universität - mit einem wissenschaftlichen, einem technisch individuellen und einem praktischen Zweig: Ausbildungsgänge mit beruflichem und universitärem Ziel.

Die Schule sollte in den Schulbezirk integriert sein: in das kommunale, wirtschaftliche, staatliche und soziale Leben. Die Jugendlichen sollten 'ihr Leben produktiv machen, statt egoistisch, bestechlich, käuflich, momentanvorteilssüchtig. (Uhlig, Christa (2013) Arbeit, S. 1026f).

Sein Konzept - veröffentlicht in 'Der Föhn' (1919) - hat Paul Oestreich bereits ein Jahr später modifiziert, z.B. der 'obligatorische Kindergarten' geht auf Clara Grunwald zurück, die Übertragung für das 'berufliche Schulwesen' stammt von Olga Essig und Anna Siemsen, das 'künstlerische Tätigsein' brachte Franz Hilker ein, das 'Gemeinschaftsleben' und die sozialwissenschaftliche Neuorientierung des Geschichtsunterrichs stammt von Siegfried Kawerau. (S. 695f)

'Elastizität' meinte, dass sich die Zusammenstellung der Lerngruppen nicht an der Alterskohorte orientiert, sondern an den "individuellen Begabungen, Fähigkeiten, Interessen, spezifischen Wachstumsrhythmen und Ent­wick­lungsmodi" (S. 696) der SchülerInnen. Es wurde im ersten Konzept auch 'Tempo-, Normalschülern und Schwachbefähigten' bei der Einteilung berücksichtigt.

Nur ein Jahr später änderte Paul Oestreich dieses Verfahren und ersetzte die Sortierung der SchülerInnen durch 'innere Differenzierung'. Die Schule war als Ganztagsschule konzipiert, mit Spiel, Sport, technischen und künstlerischen Aktivitäten und einem umfangreichen Gemeinschaftsleben: Schülerselbstverwaltung, -ausschüssen, -vereinen, mit Festen und Feiern. Die Schule war auch Produktionsschule mit Garten und Feld, Viehbestand und Werkstätten. (S. 696)

Volkshochschule
Hoch und Fachschule
Berufs- und Fachschule
Oberstufe

Verpflichtung zu körperlicher, technischer und musischer Ausbildung
Beteiligung am Schulleben (Schulgemeinde, Schülerausschuss, Feste etc.
Wahlfreie Kurse (z.B. Fremdsprachen, Naturwissenschaften, Religion, Philosophie, Kunst)

Den Zweigen entsprechender Kursunterricht (12 h)
praktischer Zweig technisch-inustrieller Zweig wissenschaftlicher Zweig
Grundschule
Mittelstufe

Kernunterricht (15 Std.)
Heimat-, Kulturkunde, Deutsch,
Rechnen, Zeichnen und Schreiben
ab Kl. 7: u.a. Algebra, Physik, Geschichte
ab Kl. 9: Chemie, Hygiene, Staatskunde etc.
Kursunterricht
(nach Begabung und Neigung)
je nach Bedarf:
deutschkundlich, literarisch, fremdsprachlich,
geschichtlich, geographisch, naturkundlich etc.
Für alle obligatorisch: körperlich, praktische und künstlerische Betätigung

Unterstufe

Allmähliche Auflockerung des Gesamtunterrichts in
1. sprachlich-heimatkundliche Tätigeit
2. Rechnen, Messen, räumliches Erfassen
3. Körperliche Betätigung, Künste

Weitere Tätigkeiten in Arbeitsgemeinschaften (z.B. Gartenarbeit, Tierpflege)
Lesen und Schreiben nach der Montessori-Methode: Betonung musischer Bildung

"Freischaffender" Gesamtunterricht: heimatbetonte Stoffe
Vorschul­erziehung
Obligatorischer Kindergarten

Pädagogische Aufgabe:
vom Spiel zur Arbeit: besonders sinneschärfende Spiele wie bei Montessori

Soziale Aufgabe:
Kinder betreuen, solange die Eltern der Berufstätigkeit nachgehen;
Unterstützung kinderreicher Eltern

Fakultativer Kindergarten
Geburt in obligatorischen Entbindungsanstalten

Quelle: W. Keim, U. Schwerdt (2013): Handbuch der Reformpädagogik in Deutschland, S 697, Abb. 3