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Die Greilsche Schulreform in Thüringen


Einheitsschule - Biographisches zu Max Greil - Was wollte Max Greil? - die politische Situation in Thüringen um 1920

Die politische Situation in Thüringen um 1920


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Die Situation in diesen Jahren kann hier nur an verschiedenen Punkten exemplarisch geschildert werden

Die Politik

Die Thüringischen Staaten' bestanden seit 1849 aus den sächsischen Herzogtümern sowie den reußischen und den schwarzburgischen Fürstentümern. Es waren das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach (1741-1920), beziehungsweise ab 1903 das Großherzogtum Sachsen, das Herzogtum Sachsen-Meiningen (1680-1920), das Herzogtum Sachsen-Altenburg (1826-1920), den Herzogtümern Sachsen-Coburg und Gotha (1826-1920), dem Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt (1574-1920), dem Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen (1571-1920), dem Fürstentum Reuß jüngerer Linie (1848-1918) und dem Fürstentum Reuß älterer Linie (1768-1918). Die beiden Letzteren bildeten am 1918 - 1920 den Volksstaat Reuß.

Die Ursachen der Revolution lagen u.a. in der Politik seiner reformunwilligen Machteliten. Unmittelbarer Auslöser war der geheime Flottenbefehl der Seekriegsleitung vom 24. Oktober 1918. Die deutsche Hochseeflotte sollte trotz der bereits feststehenden Kriegsniederlage Deutschlands in eine letzte Schlacht gegen die britische Royal Navy geschickt werden. Die gegen diesen Plan gerichtete Meuterei, vor allem der Kieler Matrosenaufstand, entwickelten sich innerhalb weniger Tage zu einer Revolution, die das ganze Reich erfasste.

Sie führte am 9. November 1918 zur Ausrufung der Republik, der wenig später die formelle Abdankung Kaiser Wilhelms II. und aller anderen Bundesfürsten folgte.

Bei den Landtagswahlen in Thüringen (1919) hatten die SPD und die USPD meist die Mehrheit der abgegebenen Stimmen errungen und konnten entscheidend die Regierungen bilden. Bedingt durch den Krieg war die industrielle Produktion auf Kriegsgüter eingestellt, die Produkte für das alltägliche Leben fehlten. Auch die Landwirtschaft war in Mitleidenschaft gezogen - Mißernten waren die Folge.

Am 4. Januar 1920 wurde ein Gemeinschaftsvertrag mit Nachtrag ist von den Volksvertretungen dieser Staaten angenommen und ratifiziert. Der Freistaat Coburg entschied sich in einem Volksentscheid am 19. 11. 1919 gegen einen Verbleib bei Thüringen und für einen Anschluss an Bayern. Die Mehrheit der Coburger fühlte sich als Franken und entschied sich auch aus wirtschaftlichen Überlegungen für Bayern.

1919 wurde August Frölich in den Landtag des Freistaates Sachsen-Altenburg gewählt und war bis zur Eingliederung nach Thüringen 1920 dessen Staatsrat (Regierungschef). Vom 7. Oktober 1921 bis zum 23. Februar 1924 war Frölich als Leitender Staatsminister des Landes Thüringen an einer Koalitionsregierung mit der USPD beteiligt. Auch während einer Koalition seiner SPD mit der KPD vom 16. Oktober bis 12. November 1923 hatte er den Vorsitz der Landesregierung inne. Diese nach Sachsen zweite rot-rote Koalition (damals Arbeiterregierung genannt) auf Landesebene in einer deutschen Demokratie zerfiel aufgrund massiven Druckes der Reichsregierung (unter anderem der Einmarsch der Reichswehr - im Auftrag des Reichspräsidenten Friedrich Eberts - in Thüringen. Es wurde die Drohung einer "militärischen Lösung" = Reichsexekution) angekündigt. Von 1924 bis 1933 war er Mitglied des Reichstages.

Die SPD reagierte darauf mit einem Misstrauensvotum gegen Kanzler Gustav Stresemann im Reichstag, das zu dessen Absetzung führte. Die 1920er Jahre blieben von politischem Stillstand und ständig wechselnden Landesregierungen geprägt. Bereits 1930 etablierte sich mit der Baum-Frick-Regierung eine erste Landesregierung unter Beteiligung der NSDAP in Deutschland.

Das Bauhaus

Das Staatliche Bauhaus in Weimar entstand am 12. April 1919 aus der Vereinigung der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar und der 1915 aufgelösten Kunstgewerbeschule Weimar. Als Lehrer konnte Walter Gropius bedeutende Künstler wie Lyonel Feininger, Johannes Itten, Josef Albers, Paul Klee und Oskar Schlemmer (ab 1921), Wassily Kandinsky (ab 1922) für das Bauhaus gewinnen.

Die Lehre am Bauhaus bestand aus dem Vorkurs und der Arbeit in den Werkstätten. Die Werkstätten wurden von den Künstlern, die sich Meister der Form nannten und den Handwerksmeistern geleitet.

1920 wurde von Adolf Meyer eine Architekturabteilung ins Leben gerufen, eine systematische Architektenausbildung gab es am Bauhaus jedoch noch nicht.

1923 kam auch der Konstruktivist László Moholy-Nagy, der für ganzheitliche lebensreformerische Ideen stand. In der Öffentlichkeit galten diese Bauten als "kalt", "karg" und "maschinell". In der Zeit der Weimarer Republik galten Lehrer, Schüler und Bewunderer des Bauhauses als „"links" und "internationalistisch". Politisch rechte Parteien lehnten das Bauhaus von Anfang an ab.

Nachdem sich die Machtverhältnisse nach der Landtagswahl in Thüringen im Februar 1924 geändert hatten, kürzte die Regierung unter Richard Leutheußer (DVP) den Etat um 50 %. Daraufhin boten sich andere Städte den Lehrern und Schülern als neue Standorte an. Finanziell und politisch von der Thüringer Regierung unter Druck gesetzt, beschloss der Meisterrat 1925 den Umzug nach Dessau (Sachsen-Anhalt). Dort bot der Flugzeugbauer Hugo Junkers eine Förderung, zudem herrschte in dieser Industriestadt eine stabile sozialdemokratisch und liberal orientierte Mehrheit.

Die Schule:

Durch die Mehrheitsverhältnisse bedingt, wurde Max Greil zum 'Volksminister für Bildung' berufen (1921-1924). Er konnte, gestützt auf eine Mehrheit von SPD und USPD, ein Konzept für eine Thüringer Einheitsschule - ein 'Einheitschulgesetz', ein 'Lehrerbildungsgesetz', ein 'Schulunterhaltungssgesetz' (1922) und ein 'Schulverwaltungsgesetz' (1923) in Gesetzesform gießen.

Bis auf die Trennung von Staat und Kirche in der Schule wurden alle diese Gesetze nach den nächsten Landtagswahlen in Thüringen von seinem Nachfolger (im Amt von 1924-1928), Richard Leutheußer (1867-1945) (DVP) rückgängig gemacht.