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Landerziehungsheime - Hermann Lietz


Gründer und Orte - Erfolgs- und Schmuddelgeschichte - Hermann Lietz - Lebenslauf - Was hatten die Kinder von Lietzschen LEH's? -

Landerziehungsheime werden hauptsächlich mit Hermann Lietz und Cecil Reddie in Verbindung gebracht - Landerziehungsheime auf diese Form zu beschränken ist jedoch verfehlt. Der Name ist keinesfalls Programm sondern ehr eine Sammelbezeichnung für Einrichtungen ganz unterschiedlicher Prägung. Viele waren Internate, meist waren sie auf dem Land. Die Pädagogik bezog dann das Landleben bewußt mit ein, setzte aber auch in anderen Landerziehungsheimen ganz andere Schwerpunkte. Politisch sind die Gründer und Konzeptionen über das ganze Spektrum verteilt. (Vgl. E. Skiera, S. 164).

Auch von der Namensgebung her drücken sich ganz verschiedene Richtungen aus: Das (klassische) Deutsche Landerziehungsheim - DLEH - mit dem Vorrang von Erziehung (Hermann Lietz), das Landschulheim mit der Betonung auf 'Schule' (Alfred Kramer u.a.), die Erziehungsschule (Gustav Marseille), die Freie Schulgemeinde (Wickersdorf) (Gustav Wyneken), die Odenwaldschule (Paul Geheeb), die Freie Schul- und Werkgemeinschaft (Bernhard Uffrecht) ... .

Was in der gängigen Literatur als Merkmale bezeichnet wird, ist genaugenommen eine Konstruktion, die bestimmte pädagogische Konzepte in einen Zusammenhang bringen wollen und sollen. Diese haben aber keinesfalls für ganze Spektrum Gültigkeit.

Das Hauptanliegen der Reformpädagogik, die 'Individualität des Kindes in den Mittelpunkt der Erziehungstheorie' zu stellen, gerät über die Frage nach den wirklichen Vorläufern, die Frage nach der 'richtigen' Zuordnung in den Hintergrund.

Landereziehungsheime der Reformpädagogik sind Internate, die auch Tagesschüler aufnehmen. Sie sind auf dem 'Land' und nicht in der Großstadt angesiedelt. In dieser eigens unter erzieherischen Gesichtspunkten gestalteten Welt war sowohl die Distanz zur Familie als auch zur gewohnten Umwelt (in der Großstadt) gegeben. So wirkt nicht nur der Lehrer sondern die gesamte Umgebung 'erzieherisch' auf die Kinder. Je nach Ausrichtung und Gegebenheiten sind die Schüler am Auf- und Ausbau des Landerziehungsheimes beteiligt, werden in der Garten- und Landwirtschaft eingesetzt und Versorgen die Tiere. Diese Arbeiten schaffen den Erfahrungsraum, der dann unterrichtlich durchdrungen und vertieft wird. Schüler und Lehrer bilden daher eine Lebensgemeinschaft, die Unterricht und Freizeit teilen, gemeinsam verbringen.

Je nach politischer Richtung der Landerziehungsheime wird auch die Frage, wie denn die Individualität des Kindes in den Mittelpunkt gestellt werden muss, unterschiedlich beantwortet.

Die Gründer und Lehrer dort waren wie im wirklichen Leben auch Menschen, die z.B. Mitglied der NSDAP waren (Überzeugte und Mitläufer), oder dem Nationalsozialismus nahe standen aber auch Menschen, deren Landerziehungsheime von den Nationalsozialisten 1933 sofort geschlossen wurden, die in die Schweiz oder die USA emigrierten. Andere Reformpädagogen blieben, wollten ihre Kinder nicht alleine lassen. Suchten auch unter der Diktatur von reformpädagogische Ansätze beizubehalten, manche wie z.B. Korczak gingen mit ihren Kindern ins KZ und in den Tod.



Vorläufer

Quelle: E. Skiera: Reformpädagogik - in Geschichte und Gegenwart, 2003, S. 163; nach: Landerziehungsheime, in: Lexikon der Pädagogik, Bd. II, 1951: A. Franke AG, S. 111

Man muß immer berücksichtigen, daß jede Schule ein eigenes Profil hat. Landerziehungsheime sind keine kontinuierliche Entwicklung, sondern die Folge von Auseinandersetzungen um unterschiedlichen Auffassungen in der Regel mit Hermann Lietz, die dann zu einem neuen Landerziehungsheim mit eigenen, anderen Zielsetzungen führten. Die Einteilung von Giffei kann daher wirklich nur als grobe Einteilung gesehen werden, die nicht jedem Landerziehungsheim gerecht wird.

Landerziehungsheime lassen sich grob in verschiedene Charaktere einteilen:

    a. Modell patriarchalisch geleiteter Gutshof: Hermann Lietz
    b. Modell geistiger Orden: Gustav Wyneken
    c. Modell pädagogische Provinz: Paul Geheeb
    d. Modell aristokratischer Schulstaat: Kurt Hahn
    e. Modell Fahrtgenossenschaft durch das Lebenabenteuer: Martin Luserke

    Quelle: H. Giffei: Martin Luserke, Lüneburg, 1987, S. 8

1.1.2. Hermann Lietz
  • Gegründet von Hermann Lietz (Biographische Daten - paed.com)
  • Hermann Lietz (Biographische Daten - deutsche Biographie)

    1.1.2.1. Pulvermühle, Ilsenburg Harz 1898 Nach Besuch bei Reddie Abbotsholme (1837 wohnte hier Friedrich Fröbel)

    1.1.2.2. Haubinda, Landkreis Hildburghausen, Thüringen 1904

    1.1.2.3. Schloß Bieberstein, Hofbieber, Hessen - Röhn 1904 ab 1911 Andreesen

    1.1.2.4. Gebesee 1923-1945 bei Erfurt. Das DLEH Ilsenburg war 1923 nach Gebesee bei Erfurt verlegt worden. Leiterin war die Tochter Jutta Lietz.

    1.1.2.5. Landweisenheim Grovesmühle 1914 in Veckenstedt



1.1.3. : Alfred Kramer (1. Schull. bis 1918), Theophil Lehmann (2. Schull. bis 1943),Gerhard Viebrock und Gerhard Zimmermann (Vier Lehrer von Lietzschule)
1.1.4. Alfred Andreesen, Oberleiter der Lietzschulen, erweiterte die Stiftung um vier Heime:

1.1.5. Bertha von Petersenn

    1.1.5.1 Bertha von Petersenn (Biographische Daten Wikipedia) gründete mit Hilfe von Hermann Lietz 1900 ein LEH für Mädchen ­in Berlin-Lichterfelde, damals in Stolpe am Wannsee. Es wurde 1904 nach Gaienhofen am Bodensee verlegt.

    1.1.6. Gustav Marseille

    1.1.7. Heinrich Hoffmann

      1.1.7.1. Honneroth/Westerwald, 1957 - 1986 (Hoffmann war vorher letzter Leiter von Schloß Bischofsstein

    und außerhalb des Ansatzes von Hermann Lietz:

    1.1.8. Julius Lohmann/Ernst Reisinger

      1.1.8.1. Schondorf am Ammersee (1905) [Bei der Konzeption des Jenaplan beruft sich P. Petersen u.a.ausdrücklich auf seinen Besuch in diesem Heim (Skiera, 2003)]

    • Geschichte Homepage Landheim Schondorf heute
    • Landerziehungsheim Schondorf am Ammersee Wikipedia

    1.1.9. Gustav Wyneken

    1.1.10. Bernhard Uffrecht

      1.1.10.1. Freie Schul- und Werkgemeinschaft, 1919, Bensheim, Bergstraße, später Bad Brückenau, dann im Jagdschloss Dreilinden bei Potsdam und letztlich in Letzlingen in Sachsen-Anhalt

    1.1.11. Max Bondy

    1.1.12. Paul Geheeb

    1.1.13. Kurt Hahn

      1.1.13.1. Salem 1920-1934 mit den Zweigschulen Spetzgart und Hohenfels
      1.1.13.2. Juniorenschule Hohenfels 1931
      1.1.13.3. Birklehof 1932-19
      1.1.13.4. Gordonstoun 1934 (England)
      1.1.13.5. Kurzschulen

    1.1.14. Hans Lues

      1.1.14.1. Louisenlund 1949 (Hans Lues war in Salem)

    1.1.15. Martin Luserke

      1.1.15.1 Freie Schulgemeinde Wickersdorf 1910-1924
      1.1.15.2 Schule am Meer Juist 1924-1934

    1.1.16. Ludwig Wunder

      1.1.16.1. Walkemühle Aldershausen, 1921 - 1933
      1.1.16.2. Schule Herrlingen bei Ulm 1925 - gegründet von Ludwig Wunder und Claire (Klara) Weikersheimer.
      1.1.16.3. Landerziehungsheim Michelbach bei Schwäbisch Hall


    1.1.17. Karl Stracke - Rudolf Besser - Adolf Zoellner und Amalie Pfündel

    1.1.18. Dr. Josef Müller, Gerhard Buurmann

    1.1.19. Otto Steche

    1.1.20 Hermann Hirsch


Weitere Landerziehungsheime finden sich in Barkenhoff - bei Bremen, Dürerschule (1912-1920) und Bremen, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Heimschule am Laacher See, Leipzig, Lübeck, München, Stuttgart. (Schmidt, Hanno (1993): Topographie der Reformschulen in der Weimarer Republik. Perspektiven ihrer Erforschung, in: U. Amlung u.a. (1993): Die Alte Schule überwinden, FfM, Karte S. 17)

Wolfgang Keim und Ulrich Schwerdt nennen in ihrem Handbuch weiter die Gründung eines Süddeutschen Landerziehungsheim (1906) für Mädchen (Franz Utz), Das Deutsche Landerziehungsheim (1906) in der Mark (Sieversdorf bei Bukow) (Frl. Hoffmann) und nach dem Krieg: Nordeck (1926) (O. Erdmann), Neubeuern (1925) (J. Rieder), Urspring (1930) (B. Hell),

sowie jüdische Landerziehungsheime: Caputh (1931) (G. Freitag)

Genannt wird Grunder, Friedrich (1916): Land-Erziehungsheime und Freie Schulgemeinden, Leipzig/Berlin, S. 203ff), der über 50 Einrichtungen aufzählt. (S. 676) Verschiedene Heimgründungen haben keine Quellen hinterlassen und haben teilweise auch nur kurze Zeit existiert. W. Keim/U. Schwerdt geben 'äußerst schwierige Umstände an' (S. 676).

Jürgen Oelkers rechnet vor, dass die Lietzschen Schulen - aber auch die Odenwaldschule, die mit dem Industriellen Max Cassirer über einen potenten Finanzier verfügte - Reichenschulen gewesen seien, die sich nur durch hohe Schulgelder finanzieren konnten. (Oelkers, Jürgen (2011): Eros und Herrschaft, Die dunklen Seiten der Reformpädagogik, Weinheim und Basel, S. 82ff)