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Geschrieben von nofraflo am 27.11.2012 um 10:29:

Konfliktbearbeitung im Klassenkollektiv

Hallo,

wer kann mir die Art der Konfliktbearbeitung im Klassenkollektiv einer Freinet-Schule beschreiben? Ich habe gehört, es gibt bestimmte "Rollen", die die Schüler übernehmen...
Mir ist einfach eine grosse Frage, wie solche Dinge wie Hänseln, Mobbing, Vandalismus (gegenseitig Fahrradreifen zerstechen) nachhaltig bearbeitet werden können, dass solche Dinge nachhaltig untereinander eingestellt werden, und mit welchem Handwerkszeug ein soziales und solidarisches Bewusstsein wachsen kann.
Ich habe gehört, dass es keinen Vandalismus an Freinetschulen gibt. Anscheinend wird dort sehr erfolgreich mit diesen Dingen umgegangen.


Geschrieben von Juergen am 17.12.2012 um 23:55:

Hi nofraflo,

Konfliktbearbeitung ist kein Trick, der an verschiedene Rollen geknüpft ist. Hänseln, Mobbing, Vandalismus sind Bestandteil von der bestehenden Schule. Die Ursachen liegen wahrscheinlich in der Verbindung von Schulzwang mit der Fremdbestimmung der SchülerInnen in dieser Schule.

Wenn es nun irgendwie gelingt, die Fremdbestimmung wirklich zu verringern, nimmt wohl auch die Wahrnehmung der Schule als Zwangsveranstaltung ab. Damit wohl auch die Neigung der Schüler gegen diesen Zwang und die Fremdbestimmung zu rebellieren.

Weiterhin ist die Konkurrenz unter den SchülerInnen ein bestimmendes Moment der Schule. Auch hier müsste es gelingen aus dem gegeneinander z.B. um die besseren Noten ein miteinander an selbstgewählten Lerngegenständen zu machen.

Wenn Schule von den Schülerinnen als sinnvoll erlebt wird, gibt es auch weniger Anlass andere zu hänseln und zu mobben, oder die Einrichtung zu zerstören.

In einer von Konkurrenz geprägten Umgebung kann schwerlich ein soziales und solidarisches Handeln entstehen.

Wenn im Unterricht eigenverantwortliches Handeln nicht vorkommt, weil die LehrerIn alles bis ins Detail vorgeplant hat, wie soll es dann plötzlich im Umgang mit anderen Menschen vorhanden sein? Wenn Konkurrenz als Prinzip gilt, wie soll dann plötzlich soziales Handeln entstehen?

Freinet und den Reformpädagogen ging es darum, Schule so zu verändern, dass SchülerInnen sie als ihr Ding sehen. Freinet hatte das Motto: Den Kindern das Wort geben; Montessori hatte das Motto: Hilf mir es selbst zu tun.

MfG - ich stehe gerne für weitere Fragen zur Verfügung.

JG

__________________
Jürgen Göndör
service@paed.com
http://paed.com


Geschrieben von f.j.neffe am 05.01.2013 um 21:12:

Für echte Lösung braucht es SOG-Wirkung.

Wenn Dich jemand erfolgreich mobbt, ist er mit Deinen Kräften & Talenten noch besser schlecht umgegangen als Du.
Als Mobbingopfer wird bevorzugt, wer hilflos ist: wer mit seinen eigenen Kräften nicht kann.
Die entscheidenden Lebenskräfte liegen in unserem UNBEWUSSTEN. Dort werden auch alle wichtigen Lebensfunktionen gesteuert.
Die Pädagogik aber lenkt uns genau von diesen entscheidenden Kräften in uns ab und, was noch viel schlimmer ist, drängt uns zur Verausgabung unserer arg begrenzten BEWUSSTEN Kräfte. Das ist de facto Verführung zum Selbstmobbing. Kein Wunder, wenn andere auf diesen Zug aufspringen und auf dieses Selbstmobbing immer noch eins draufsetzen.
Die Pädagogik macht DRUCK.
Druck macht die Kräfte nicht satt sondern matt + platt.
Das ist Misshandlung.
Der Mobber macht da nahtlos weiter.
Mobbing ist sehr oft demonstrativ verstärkte Pädagogik.
Wenn wir das Problem LÖSEN wollen, müssen wir diese unheilvolle DRUCK-Pädagogik beenden.
DRUCK LÖST NICHT.
Druck komprimiert Mensch + Problem;
das ist das exakte Gegenteil von LÖSUNG.

In der neuen Ich-kann-Schule gilt das SOG-Prinzip.
SOG löst.
Sog richtet auf.
Sog macht wachsen.
Mit Sog lassen sich die Kräfte punktgenau lenken.
Man braucht sich dafür nur etwas einfallen lassen, was ZIEHT.

In der Ich-kann-Schule gilt auch:
Wenn ich mit deinen Kräften BESSER umgehe als du, mögen sie mich und folgen mir lieber als dir.
Das ist wieder das SOG-Prinzip.
Die 7jährige Sabrina wurde täglich von ihrer Lehrerin gemobbt. Sie klagte schon, nicht mehr leben zu wollen.
Wir machten uns bewusst, wie schlecht die Lehrerin mit ihren eigenen guten Kräften umgeht. Den Fehler sollten wir nicht nachmachen.
Sabrina spürte, wie schlecht es diesen guten Kräften geht und dass sie zu schwach sind, siuch durchzusetzen. Sie schickte ihrer Lehrerin im Geiste alles, was ihr zum GUTsein fehlte. Die Lehrerin änderte sich binnen Tagen völlig.
Sabrina spürte den HUNGER der Talente und seine SOG-Wirkung. Sie stärkte mit ihrer Geisteskraft die Talente ihrer Lehrerin. Die wurden endlich einmal SATT. Satt ist jeder mensch ein anderer Mensch.
Ich habe dieses Ich-kann-Schule-Experiment über die Jahre immer wieder mit Kindern erprobt - stets mit ähnlich gutem Ergebnis.
Für echte Problemlösung muss Sog statt Druck die Grundlage des Handelns sein und die Lösung muss mit den tatsächlich zuständigen Kräften geschehen. Wenn man es verstanden hat, ist es kinderleicht und eröffnet ganz kleinen Kindern auch Einfluss über ganz große Erwachsene.
Guten Erfolg!
Franz Josef Neffe

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