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Thema: Offener Unterricht mit Methode - Diskussion mit M. Kellner
Homô Latînus

Antworten: 13
Hits: 26436

Mein Senf dazu 18.12.2009 18:48 Forum: offener Unterricht

Hallo Zusammen!

ich möchte zu dieser interessanten Diskussion, für die ich Ihnen beiden sehr dankbar bin, ein wenig nachtragen und die Fragen nennen, die sich bei mir eingestellt haben. Dabei verfüge ich allerdings über fast keine pädagogische Erfahrung.

Zunächst der Reihe nach:

Zitat:
Möchte jemand einen Tisch bauen, so wäre es doch sinnvoll, ihm vorher zu zeigen wie der Hammer gehalten und der Hobel bewegt wird.

(I: Kellner)
Dazu meine ich, dass man auch durch Ausprobieren der Werkzeuge ihre Funktion herausbekommen kann.

Viel klarer ist das folgende:
Zitat:
Es hat sich gezeigt, dass das methodische Vorwissen der Kinder bzgl. des Lernen lernens für sie mehr als hilfreich bei der selbstständigen Konzeption neuartiger Methoden für das eigene Lernen (im sog. offenen Wochenplan) ist - ja, es sie gar beflügelt.

(I: Kellner)
Das scheint mir ein bedeutender Vorteil des OUmM zu sein - Leider sind Sie, Herr Göndör, nicht darauf eingegangen.

Zur Definition des Offenen Unterrichts: Ich denke Herr Kellner meint, dass es keine Anleitung für Lehrer od. besser Lernhelfer gibt, nach der sie ihren Offenen Unterricht durchführen können, die sie brauchen weil ihre Intuition nicht so gut ausgeprägt ist.
Meines Erachtens ist daran nicht nur die Lehrerbildung schuld sondern schon die Schule selbst die eine seelische Entwicklung schon von vornherein behindert, bestenfalls nicht fördert.
Ich habe in einem Praktikum, selber psychisch noch nicht wieder auf den Beinen, während einer Schulstunde eine Schülerin trösten müssen, deren Großmutter gestorben war. Ihre Mitschüler blieben regungslos auf ihren Sitzen - von solchen in ihrer Fähigkeit zur Anteilnahme schon gestörten Menschen werden zukünftige Lernhelfer rekrutiert - Das kann ja von vornherein nicht gutgehen! Allerdings muss ich anmerken, dass der Lehrer in der Lage war zu reagieren - vielleicht ist es auch die Schülerrolle im Unterricht, die das Anteilnehmen blockiert(e) - Bei dem Gedanken an Erkenntnissen über diese Sache ist mir die Rückmeldung an Peschel über das Verhalten seiner Schüler in den weiterführenden Schulen eingefallen. Er hörte von dem stärkeren Verantwortungsbewusstsein und der größeren Empathiefähigkeit seiner Schüler(leider habe ich Peschels Bücher verliehen so dass ich keine Stellenangabe machen kann). Diese Beobachtung scheint meinen Gedanken zu stützen...

->Verstehe ich Sie richtig, Herr Kellner, wenn ich sage, dass Sie die "Genialität" Peschels in seiner Fähigkeit intuitiv auf das Verhalten der Kinder zu reagieren sehen?

In gewisser Weise ist Ihr Konzept nur ein "eingefrorene" Zwischenstufe des OU nach Peschel: LerhelferIn und SchülerInnen werden noch nicht ganz freigelassen. Damit will ich dieses Konzept keineswegs abwerten; wie oben angedeutet, halte ich die gewählte Konstellation für sehr geschickt gewählt.
In einem Punkt sind Sie sogar offener als Peschel: er lässt keine Lehrgänge(gibt es solche bei ihnen, Herr Kellner?) zu Sie scheinen das offener zu sehen. Warum auch nicht: Mann kann den SchülerInnen doch die Möglichkeit zu Erfahrung eines Lehrgangs lassen...

-> Synthese

Ich persönlich würde den Weg in der Mitte wählen und dabei die Offenheit auf die Spitze treiben": ich würde den Kindern erklären dass sie in der methodischen Dimension im Groben(! das schließt Zwischenstufen nicht aus!) auf der einen Seite offen lernen oder auf der anderen geschlossen unterrichtet werden können.
Als Vorteil des Methodikunterrichts würde ich Ihre Beflügelung anführen, als Vorteil der Methodiklernens größtmögliche Freiheit und vielleicht das größere Selbstbewusstsein, alles selbst geschaffen zu haben. Aber Letzteres wird vielleicht durch die bessere Entfaltungsmöglichkeit nach dem Methodikunterricht aufgewogen.
Ich würde sie also vor die Wahl stellen: Das ist dann der offenste Lernunterricht nach Matthias Herrberg Augenzwinkern

Habe also spät fremde Früchte geerntet. Im Ernst, den Gedanken Lehrgänge frei zu geben hatte ich schon bei der Lektüre von Peschels Büchern.

->Wissen Sie beide ob es Erfahrungen mit lehrgangsartigem Material innerhalb des Offenen Unterrichts gibt?

-> Zugrunde liegende Philosophie(n):

Man könnte sagen Peschels Bild der Kinder ist mehr am Bild der ganz autonomen Forscherwesen, während der OUmM und meine eigene Ableitung etwas näher am Bild des Kulturwesens sind, das -wie ich das gerade tue- Bestehendes zu einem gewissen Teil übernimmt und es weiterentwickelt.

Ich denke eine gesunde Mischung aus beiden Ansichten trifft das "Natürliche Lernen" des Menschen am besten.

Mehr zum Thema Philosophie:
Zitat:

Es kann sein, daß Kinder langsam lernen, daß sie etwas nicht lernen, was sie lernen sollen, das sie etwas nicht lernen, weil sie von ganz anderen Problemen belastet sind, z.B. Arbeitslosigkeit - um nur eines zu nennen. In den letzten beiden Fällen können die Schüler nicht nur nicht offen sondern auch mit keinem anderen Konzept lernen. Sie brauchen Hilfe und Trost, Beistand. Wenn sie nicht lernen, was sie sollen - dieses Problem kommt im Offenen Unterricht nach Peschel nicht vor - es gibt keine Pflichtaufgaben, es gibt kein sollen.

Hier zeigen Sie sehr deutlich, was ich gerne als die radikale Ideologie des Offenen Unterrichts bezeichne. In einem sehr stark philosophisch anmutenden Absatz, der neben seiner schönen Klangfarbe faktisch als fragwürdig zu bezeichnen ist, erklären sie den Ansatz „Offener Unterricht“ praktisch für unfehlbar und verneinen die Existenz von Kindern für die dieser Lernweg unvorteilhaft ist. Offener Unterricht ist nach dieser Darstellung für alle der einzig richtige Weg!
Ich gebe zu, dass offener Unterricht für die meisten Kinder überaus große Vorteile bringt, aber wo bleibt trotz allem die Kritikfähigkeit und ein gesunder Abstand zur eigenen Sache?

?: Kellner
Ich denke, dass eine philosophische Grundlegung an sich nichts falsches, ja sogar etwas sehr wichtiges ist. Jedweder offene(re) Unterricht braucht Überzeugungstäter und tiefes Nachdenken über die Gründe warum ich dies oder jenes tue oder lasse. Nur Lernfähig muss man bleiben. Übrigens war auch ich bis ich diese Diskussion hier gelesen habe ein "Gläubiger" des OU nach Peschel: der Gedanke, dass die Kinder es weitestgehend ohne Anleitung schaffen und die "Guten Menschen" längst unter uns sind, ist verlockend... ... aber doch etwas zu einfach die Sache ist eben doch komplizierter. Jedenfalls würde ich Ihnen Herr Kellner die Entwicklung einer eigen Philosophie ans Herz legen.


Zum Thema Überforderung durch OU:
Zitat:

Beispiel: Über mehrere Wochen oder Monate stellt sich heraus, dass Peter große Schwierigkeiten mit dem offenen Lernen hat. Er hat ADHS. Er ist nicht in der Lage, eigene Ideen zu entwickeln. Er weiß nicht, was er schreiben oder forschen könnte. Die Auswahl eines eigenen Themas fällt ihm sehr schwer. Um es genau zu sagen ist dies für ihn ein Ding der Unmöglichkeit. Ein Lernen findet kaum oder extrem eingeschränkt statt.
In einem Gespräch fragt man das Kind, was man machen könnte, um ihm das Lernen zu erleichtern. Gemeinsam mit dem Kind erarbeitet man einen Plan. Oftmals sieht der Plan dann so aus, dass der Lehrer dem Kind unter die Arme greift.
Gemeinsam mit Peter erstellt man einen Arbeitsplan, der ihm sehr kleinschrittig sagt, was er tun soll (Erstens, zweitens, drittens etc.)
Traut sich das Kind nach einiger Zeit mehr zu, darf es sofort wieder in die offenen Strukturen übergehen. Hierfür fragt der Lehrer regelmäßig: "Meinst du, du schaffst es jetzt auch alleine, oder willst du weiterhin, dass ich dir helfe?"
Kein Kind wird künstlich in geschlossenen Strukturen gehalten, sondern stetig ermutigt selbstständig zu arbeiten.

Das scheint mir ein guter, nicht bevormundender Umgang zu sein.
Wie ging oder geht Peschel mit solchen Kindern um, Herr Göndör?

Zum Thema Lehrerbildung
(Kommt noch!)

Zum Verlauf der Diskussion:
->Konfrontation mit Lerninhalten
Zitat:

Sie schreiben: Ansatz Falko Peschel: (Man entlässt die Kinder von Anfang an in eine vollwertige 3-Stufen-Öffnung und konfrontiert sie mit der Vielfalt der schulischen Lerninhalte. Am besten lernen die Kinder, wenn man sie einfach machen lässt.

Sorry, aber da möchte ich schon Widerspruch einlegen. Die Kinder werden nicht entlassen, sondern sie kommen und nehmen ihre neue Schul-Klassenumgebung in Besitz. Falko Peschel hat nicht drei Stufen sondern fünf und die Kinder werden nicht mit der Vielfalt der schulischen Lerninhalte konfrontiert, sondern die LehrerIn hört erst einmal zu. In seiner Dokumentation schildert Peschel den ersten Unterrichtsalltag als Tag der Kinder.

II: Göndör
- Meiner Ansicht nach liegt da ein Missverständnis vor: Wenn ich Herrn Göndör richtig verstehe, kommt es ihm auf das Wort 'Konfrontation' an: Die Kinder werden nicht von der LehrerIn mit den Lerninhalten konfrontiert, sondern sie suchen sich sie heraus - es ist also in diesem Sinne kein "Schock" für die Kinder, den man aus dem Wort 'Konfrontation' herauslesen könnte.

->Zum Thema "Rufmord":
Zitat:

...das Konzept Peschels, welches den radikalen Idealismus der Bewegung „Offener Unterricht“ (welcher geschichtlich gewachsen ist) immer noch sehr ernst nimmt und diesen über die Bedürfnisse des Kindes stellt. Offener Unterricht Total, ob Kind will bzw. kann oder nicht.

IV: Kellner
Ich denke schon, dass das so wie Sie es schreiben, falsch ist. Sie hätten Ihre Aussage ja wenigstens abschwächen können: "Ich habe den Eindruck, dass...". Ich glaube nicht das, Peschel und seine Mitstreiter ihren Idealismus über die Bedürfnisse der Kinder stellt. Man könnte höchstens sagen: "Sie sind blind für die Grenzen"... (haben Sie dann ja auch so geschrieben: es ist schwer in dieser langen Diskussion den Überblick zu behalten)

Bis bald,

Matthias Herrberg

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