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Pritsche
Grünschnabel


Dabei seit: 28.04.2009
Beiträge: 1

Fragen zum offenen Unterricht Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       IP Information Zum Anfang der Seite springen

demnächst habe ich meine mündliche Examensprüfung in Erziehungswissenschaften und werde u.a auch zum Thema "offenen Unterricht" geprüft. Beim Lernen zu diesem Thema sind mir einige Fragen eingefallen, worauf ich in der Literatur keine Antwort entdeckt habe.

1. Welche Rolle hat der Lehrer beim offenen Unterricht nach Peschel (mir ist bewusst, dass er begleitend arbeitet, könnte er allerdings nicht durch jede andere Person ersetzt werden, denn das Fachwissen wird ja nicht mehr benötigt. Wird das Lehramtstudium in dieser Form dadurch nicht überflüßig?)

2. Ist der offene Unterricht auch in der Sek. I umsetzbar?? Könnte es aufgrund der Pubertät nicht zu Komplikationen und somit nicht zum erreichen der gewünschten Ergebnisse führen? Werden die detailierten Bildungsstandards wie z.B. Geometrie in der Mathematik oder Mitose in der Biologie ohne Lernvorgabe von den Schülern im offenen Unterricht erfüllt?

28.04.2009 14:21 Pritsche ist offline Email an Pritsche senden Beiträge von Pritsche suchen Nehmen Sie Pritsche in Ihre Freundesliste auf
Juergen
Administrator


Dabei seit: 08.11.2003
Beiträge: 282

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Vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich so beantworten möchte:

zu 1:
Es gibt schon lange die Kritik an der deutschen Lehrerbildung, dass zwar halbe Fachwissenschaftler ausgebildet werden, aber keine ganzen Lehrer.
Was am Lehrerstudium an Gewicht verlieren könnte ist also der Anteil der Fachwissenschaften. Was deutlich zulegen könnte wäre ganz allgemein gesagt die Pädagogik. Speziell die Kommunikationsfähigkeit, Anteile der Selbsterfahrung, Hilfe zur Selbsthilfe beim Lernen und ähnliches mehr. Der Lehrer ist ja nicht überflüssig, er wird nur nicht als Lehrernder gebraucht, sondern als das, was schon Carl R. Rogers vor fast 40 Jahren gefordert hat: Er muß Förderer des Lernens werden (facilitator)

zu 2:
Es gibt an der Grundschule Harmonie unter den Eltern eine große Gruppe, die fordert, den Unterricht der GS Harmonie auszudehnen in die Sek I hinein. Die Schüler beherrschen ohnehin in vielen Fällen den Stoff der weiterführenden Klassen.
Allerdings kann der offene Unterricht nicht einfach so in das Fachunterrichtssystem der weiterführenden Schulen übernommen werden. Aber es gibt ja auch viele weiterführende Schulen, die dieses System schon zugunsten von Lernbereichen abgeändert haben.
Aus der Reformpädagogik liegen einige Erfahrungen vor, wie in der Mittelstufe und Oberstufe gearbeitet werden kann.

Besonders die Freinet-Pädagogik, die ja ein ganz ähnliches Konzept hat, ist auch in der Sek I stark vertreten und es gibt auch Beispiele in der Sek II.


In der Mathematik plädiert der Mathematiker Rudolf Taschner, mehrfach in Österreich zum Wissenschaftler des Jahres gewählt für eine Veränderung der Lehrpläne der Mathematik. Es sei nicht einzusehen, dass alle Schüler in der vorhandenen Breite und Tiefe in das Fach eingeführt werden müssen. Das habe nur einen abschreckenden Effekt. Er plädiert für einen Teil Rechnen, für einen Teil Mathematik als Bildungsfach, der die Faszination an der Mathematik wecken soll, und einen dritten Teil für alle die, die sich wirklich für Mathematik interessieren. Taschner hat in Wien einen math.space gegründet um diese Entwicklung voranzutreiben.

Diese Überlegung ließe sich auch für andere Fächer vorstellen.

Ursprung dieser fachlichen Ausrichtung ist vermutlich die Überbetonung der (Fach-)Didaktiken und den damit verlorenen Blick für das ganze der Bildung. Das ist das, was ja alternative Schulen seit Jahren fordern und praktizieren: Die Bildung des ganzen Menschen.

Ganz allgemein lässt sich schon vermuten, dass nicht alle Lernvorgaben aller Fächer von allen Schülern erreicht werden - aber das ist ja jetzt auch nicht anders. Das jetzige System gibt vor, dass die vorgegebenen Inhalte vermittelt werden. Aber erstens ist das - über alle Schulen betrachtet - eher Wunschdenken. Selbst wenn ein Großteil der Lehrer ein Thema behandelt, tun sie dass ja mit sehr unterschiedlichem Erfolg.

Man muss sich wohl davon lösen, dem gegenwärtigen Schulsystem zu bescheinigen, das alle vorgesehenen Themen und Inhalte erfolgreich vermittelt werden. Ich darf nur an die Prozentrechenfähigkeiten von Abiturienten erinnern. Und PISA bescheinigt auch dem Gymnasium keine Superschüler.

Bisher kann jedenfalls nicht festgestellt werden, dass der Offene Unterricht Schüler benachteiligt.

Es kommt sehr darauf an, was Sie als Komplikation und gewünschtes Ergebnis ansehen. Fragen Sie sich einmal, wie denn das traditionelle Schulsystem mit Komplikationen aufgrund der Pupertät umgeht: Die Leidtragenden sind doch eher die Schüler, die im Ausleseprozess aussortiert werden.

Es wird in der Regel erwartet, daß eine Alternative im Schule alle Erwartungen der bisherigen Schule besser erfüllt - bzw. werden diese Erwartungen als Maßstab angelegt. Es wird jedoch immer darüber hinweggesehen, dass das gegenwärtige Schulsystem mit gigantischem Aufwand von der Lehrerausbildung über die staatliche Schulverwaltung ein nach PISA nur mittelmäßiges Ergebnis erbringt.

Unabhängig von dem, ist natürlich die Frage, welche Strategie Sie sich für die Prüfung wählen wollen. Ich bin mir sicher, daß es unmöglich ist, Prüfer zu überzeugen. Nicht nur aus der Sicht des offenen Unterrichts geht das auch bei anderen Menschen grundsätzlich nicht. Für Sie wäre zu prüfen, welche Position Sie selbst haben und ob Sie diese auch in der Prüfung vertreten wollen.

Wiederum unabhängig davon, welche Position Sie vertreten, versuchen Sie mit Menschen zu sprechen, die schon zu diesem Thema geprüft worden sind um sich besser auf das einstellen zu können, was auf Sie zukommt. Wir können gerne noch Ihre Fragen vertiefen. Wichtig ist sicherlich, dass Sie das was Sie erzählen auch belegen können, auf andere Wissenschaftler verweisen können. Es dürfte kein Problem sein, auf die Frage der Sek I oder Sek II zurückhaltend zu antworten, auf die Freinet-Pädagogik zu verweisen, oder auf die Reformpädagogik. Da sollten Sie dann natürlich schon etwas 'Butter bei die Fische' tun können.

Dazu könnte ich ich ihnen als Gesprächspartner zur Verfügung stehen.

Mit lieben Grüßen

Jürgen

__________________
Jürgen Göndör
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30.04.2009 08:47 Juergen ist offline Email an Juergen senden Homepage von Juergen Beiträge von Juergen suchen Nehmen Sie Juergen in Ihre Freundesliste auf
Chris McFaz Chris McFaz ist männlich
Eroberer




Dabei seit: 22.09.2007
Beiträge: 56

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Hallo Pritsche,

Peschel schreibt, dass das Fachwissen nicht unnötig wird, sondern das der Lernbegleiter im Gegenteil sogar einen guten Überblick darüber haben muss. Das denke ich auch. Wenn man Kinder in ihrem Lernweg beraten und begleiten will, dann muss man ihnen auch Perspektiven eröffnen können. Ich persönlich finde das momentane Lehramtsstudium in der Tat ziemlich überflüssig, vor allem seit hier (BW) in Modulen studiert wird. Besser wäre es, denke ich, wenn man die Möglichkeit hätte, viel Selbsterfahrung zu machen und zwar in vielerlei Gebieten, nicht nur schulisch.
Zu II: Ich denke der Offene Unterricht ist ja ein Rahmen für normales menschliches Lernen, weshalb ich keinen Grund sehe, weshalb er nicht überall umsetzbar sein soll. Detaillierte Bildungsstandarts sind grober Unfug, da sie nicht erreicht werden und wertvolle Lern- und Lebenszeit verschwenden. (Jeder kann sich mittels eines Blickes in die Lehrpläne seiner Schulzeit davon überzeugen.) Der Ausdruck "gewünschtes Ergebnis" ist nicht eindeutig, da nicht klar wird, wer sich dieses Ergebnis wünscht. In der Pubertät sind halt andere Sachen wichtiger zu lernen, als z.B. Mitose. Ich habe etwa Gitarre spielen gelernt, das kann ich heute noch, Mitose und Meiose musste ich bei einer Klassenarbeit wiederkäuen, das habe ich vergessen.

Mir ist klar, dass diese Aussagen in einer Prüfung nicht viel nutzen, vor allem, wenn die Prüfer ein bestimmtes Bild haben. Eine Möglichkeit bei 2 wäre, sich die Schulmodelle der SBW oder Beatenberg anzusehen. Damit kann man ziemlich schlüssig und wasserdicht argumentieren. Sudbury, Summerhill und so wird wohl nur bei "offenen" Prüfern gehen.

Grüße

Christian

30.04.2009 17:33 Chris McFaz ist offline Email an Chris McFaz senden Homepage von Chris McFaz Beiträge von Chris McFaz suchen Nehmen Sie Chris McFaz in Ihre Freundesliste auf
 
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