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Kinderrepubliken

Kinderrepubliken waren der konsequente Versuch, Selbstregierungs- bzw. Selbstverwaltungsstrukturen statt Erziehungsmittel einzusetzen, Kinder und Jugendliche ihre Dinge selbst regeln zu lassen und auf Erziehung durch Erwachsene zu verzichten.

Aus den Anfängen der Boys-Clubs in Amerika mit schwierigsten Jugendlichen aus Großstadtgangs entwickelten sich weltweit Initiativen, Kinder und Jugendliche in einem demokratischen Setting aufwachsen zu lassen. Dabei waren die Kinder und Jugendlichen selbst für die 'Gesetzgebung' und die Anwendung dieser Gesetze in ihrer 'Republik' zuständig. Zunächst wurden - wie damals üblich - Vergehen von den Jugendlichen selbst drakonisch bestraft.

"Jeder mußte seinen Lebensunterhalt selbst erarbeiten. Arbeit erzeugt Eigentum und Selbstverantwortung. Eigentum erzeugt Diebe und damit ein Interesse des Eigentümers an Gesetz, Ordnung, Polizei, Gericht und harten Strafen. Aus Einsicht in sein egoistisches Eigeninteresse wird der bisherige Rechtsbrecher nun zum Rechtssetzer und Rechtsdurchsetzer. Dieses Eigeninteresse war anfangs der einzig mögliche Zugang zu den Straßenjungen."

Homer Lane, der auch A.S. Neill und Summerhill stark beeinflußt hat, veränderte den ursprünglichen Ansatz der Boys Clubs in ein pädagogisch-psychologisches Konzept. "Das wesentliche Vorbild Lanes waren [...] die sehr persönlichen affektiven zwischenmenschlichen Beziehungen in intakten Familien".

Auch in Deutschland gab es 1949 z.B. die 'Jungenstadt Buchhof'.
In der Reformpädagogik lassen sich Ähnlichkeiten zu den 'Kinderrepubliken' finden. In der Versuchsschule an der Telemannstraße in Hamburg, an der in der Weimarer Republik alle Ideen der Reformpädagogik zu einem Konzept zusammeneführt wurden, wurde mit diesem Ansatz der 'Schülerselbstregierung' gearbeitet.

Bei den Lebensgemeinschaftsschulen der Weimarer Zeit handelt es sich um wohl um das bedeutenste Großprojekt freiheitlicher Erziehung in Deutschland.

Kinderrepubliken von Johannes Martin Kamp (Diss 1995)

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Überblick 21

1. Teil Die Selbstregierung in der Erziehung 29

2. Probleme 31
3. Voraussetzungen und Hintergründe von Heimrepubliken 43
4. Selbstregierung und Erziehung in der Republik 57
5. Selbstregierung als Charakterformung und Willensunterwerfung bei F. W. Foerster 86

2. Teil Die psychoanalytische Pädagogik Homer Lanes und seiner Nachfolger in England 99

6. Lanes erziehungsphilosophische und psychologische Grundlage 101
7. Psychoanalytische Heilerziehung 113
8. Selbstregierung als 'Geteilte Verantwortung' (shared responsibility) 128

3. Teil Beschreibung einiger Republiken 187

9. Frühe Vorläufer 189
10. W. R. George und die Junior Republic 204
11. Exkurs: Selbstverwaltung in Schule und Gefängnis 236
12. Homer Lane in USA: Die Ford Republic 243
13. Homer Lane und das Little Commonwealth in England 254
14. David Wills im Q-Camp in Hawkspur 1936 - 1941 274
15. David Wills im Barns House (1940 - ca. 1945) 285
16. Der frühe A. S. Neill in Großbritannien 292
17. Neills Schulgründung in Dresden 329
18. A. S. Neill in Summerhill 377
19. Siegfried Bernfeld im Kinderheim Baumgarten 451
20. Makarenko u. a. in Rußland und der Ukraine 467
21. Flanagan in Boys Town 545
22. Kriegs- und Nachkriegs-Republiken 557
Schweiz, Italien, Belgien, Frankreich, Deutschland, Österreich, Ungarn, Finnland, Jugoslawien, Israel, USA, Indien, Kolumbien
23. Silva in Bemposta 610
24. Fazit: Die reformpädagogische Kinderrepublikbewegung 658

Literaturverzeichnis 662
Archivalien 691
Orts- und Personenregister 692


Auf einen Blick:


Kinderrepubliken
als PDF 2. Auflage (7,3 MB)
Dissertation von Johannes-Martin Kamp, 1995, Opladen