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Frances Wayland Parker Schools

Es gibt in den USA zwei 'Parker-Schulen', die eine in Chicago, die andere in San Diego. Frances Wayland Parker entwickelt aus seiner Unterrichtstätigkeit den Quincy Plan der mit der harten Disziplin und der Betonung des Auswendiglernens bricht und moderne Elemente der Pädagogik wie Gruppenarbeit, Werk-, Kunst- und naturwissenschaftlichen Unterricht, learning by doing (aktives Lernen, Comenius), fachübergreifenden Unterricht einführt. Er ersetzt die Quantität vieler Fächer durch die Qualität weniger integrierter Fächer.
N.M. Butler beschreibt ihn so:

Education is not devising methods or concocting ingenious devices.

Methods and devices are small things and change with every individual who uses them.
A principle is essential and the parent of a hundred methods.
A cast-iron method is a principle¹s worst enemy.

The teacher with set methods has lost touch with human nature.
Bildung ist nicht die Entwicklung von Methoden oder die Anwendung von genialen Kunstgriffen.
Methoden und Kunstgriffe sind unwichtig, sie verändern sich mit jeder Person, die sie anwenden.
Ein Grundsatz ist unerlässlich, und erzeugt hunderte von Methoden.
Ein hieb- und stichfeste Methode ist der schlimmste Feind von Grundsätzen.
Ein Lehrer der Methoden anwendet, hat den Kontakt zu der Natur des Menschen verloren.


Das Schulmotto lautet: 'Everything to help and nothing to hinder' (Bei allem helfen, nichts behindern). Es geht um die umfassende Entwicklung des Individuums physisch, mental und moralisch, die Formung eines Charakters, der sich selbst als Teil der Gesellschaft sieht und als solcher handelt und die Erziehung durch Gemeinschaft. Der Lehrplan verfolgt die Ziele: Kunst als Ausdrucksmöglichkeit, Selbsttätigkeit der Kinder lernen ohne Fächergrenzen. Lesen und Schreiben wird durch 'reading leaflets' (Heiler: Lese-Handzetteln) gelernt, die die Kinder fast täglich selbst schreiben und illustrieren. Bei Erkundungen sammeln sie selbst Erfahrungen. Handarbeit, Musik und Schauspiel (Theater) ist in den Unterricht integriert.

Tierpflege und Gartenarbeit, Hauswirtschaft und Kochen, Nähen und Weben, Drucken und Buchbinderei, körperliche Aktivitäten, etc. Zur Schule gehört auch ein Stall für Hühner und andere Tiere und die Kinder kümmern um die Tiere und verkauften auch Produkte dieser Arbeit.
Diese Erfahrungen bildeten oftmals den Hintergrund von Naturwissenschafts- und Mathematikunterricht. Die eigene Erfahrung ist daher Ausgangspunkt jedes Lernens: 'Das Lernen beginnt immer mit konkreten Erfahrungen aus erster Hand, dann folgen Beobachtungen, Vergleiche und eine Vielzahl von verschiedenen (auch künstlerischen) Aktivitäten. Letztendlich endet das Lernen in logischem Denken.' (Vgl. Semel/Sadovnik (1999), S. 39f)

Die Schule ist für Parker eine komplette Gemeinschft (complete community) und eine sich aufbauende Demokratie (embryonik democracy). Nur in der Gemeinschaft ist es für ihn möglich, Freiheit und Verantwortung zu verwirklichen und so die Individualität des Einzelnen zu respektieren.

Die Schule beginnt mit 180 Schülern. Besonderes Merkmal ist, daß sie gleichzeitig eine Ausbildungsschule ist und sich in den Klassen 1-8 jeweils zusätzlich ein in Ausbildung befindlicher Lehrer arbeitet. Parker stirbt 1902, zehn Jahre später wird jedoch eine zweite Parkerschule in San Diego gegründet. Beide Schulen existieren noch heute.

Links:

Francis Wayland Parker
Parker School

Francis Wayland Parker Wikipedia
Quincy Plan Wikipedia
Francis W. Parker School in San Diego Wikipedia
Francis W. Parker School in Chicago Wikipedia

Website der FWP-School in San Diego
Website der FWP-School in Chicago

History of Education: 1901 Francis W. Parker progressive school opens
Francis Parker

Literatur:

Butler, N. M.: The Quincy movement. Report of the commissioner of education for the year 1902, o.O., o.J.
Heiler, Christina: Progressive Education - eine hypertextbasierte Präsentation didaktischer Reformbewegungen in den USA, Heidelberg, 2003
Parker, E.W.: Talks on Teaching, 1883, New York
-: The Practical Teacher (1884)
-: Course in Arithmetic (1884)
-: Talks on Pedagogies (1894)
-: How to Teach Geography (1885)
Semel, Susan F. / Sadovnik, Alan R. (Hrsg.; 1999): Schools of Tomorrow, Schools of Today. New York: Lang.
Zilversmit, Arthur (1993): Changing Schools. Chicago: The University of Chicago Press.


Francis W. Parker


Francis W. Parker-School heute