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Die bürgerliche Arbeitschule:
Robert Seidel: Arbeit als Handwerk



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Robert Seidel (1850-1933) legte ebenfalls ein eigenes Konzept zur Arbeitsschule vor. Auch er richtete sein Konzept am Handwerk aus - allerdings fasst er Arbeit als "produktiv gestaltende, auf harmonische Persönlichkeitsentwicklung orientierte und zugleich als sozialintegrative Tätigkeit" (S. 972) auf.

Er begründete seine sozialpädagogische Arbeitschultheorie auf Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827) und Karl Marx (1818-1883). Eine pädagogische Reform ist immer auch ein Wandel der Produktion- und Herr­schafts­ver­hält­nis­se, verbunden mit einem technologischen Fortschritt. Die Arbeitsschule ist daher auch keine pädagogische Wei­ter­ent­wick­lung, sondern eine "im Zusammenhang gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse als ökonomische und politische Notwendigkeit." (S. 972)

Im Gegensatz zu Georg Kerschensteiner ist seine Konzeption gegen die bestehenden Verhältnisse und gegen das politische System gerichtet. Ihm ist die 'Entwicklung des Selbstwertgefühls' wichtiger als der disziplinierende Charakter der Arbeit:
    Wer eine Arbeit tut, wer ein technisches Werk vollbringen will, der muss selbst sehen, selbst hören, selbst schmecken und selbst riechen, der muss aus eigenem Willen seine nerven und Muskeln brauchen, der muss selbst tätig sein und selbst denken. Durch diese vielseitige körperliche, geistige und moralische Selbst­tä­tig­keit bilden sich in ihm eigene Gefühle, eigene Gedanken, eigenes Wollen - es bildet sich selbständiger, originaler und freier Geist, der nichts für ausgemacht hält, sondern alles selbst prüft, und der den Mut hat eigene Wege selbst zu gehen." (S. Zitiert nach Ulrich Schwerdt 2013: Unterricht, S. 972f)

In Deutschland konnte er gegen Georg Kerschensteiner keine Wirksamkeit entfalten, aber in "Zürich konnte er bereits vor der Jahrhundertwende erste Elemente seines Konzepts auch in der Praxis der Regelschule umsetzen." (S. 973)



Literatur:
  • Keim, Wolfgang, Schwerdt, Ulrich (2013): Handbuch der Reformpädagogik in Deutschland. FfM
  • Seidel, Robert (19082): Die Schule der Zukunft eine Arbeitsschule, Eine Kritik des Vortrages von Stadtschulrat Dr. Kerschensteiner aus München, Zürich
  • Seidel, Robert (1885): Der Arbeitsunterricht, eine pädagogische und soziale Notwendigkeit, zugleich eine Kritik der gegen ihn erhobenen Einwände, Tübingen
  • Uhlig, Christa (2006): Reformpädagogik: Rezeption und Kritik in der Arbeiterbewegung. Quellenauswahl aus den Zeitschriften Die neue Zeit (1883-1918), und Sozialistische Monatshefte (1895/97-1918), FfM