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Reformschulen in Berlin


Schulfarm Scharfenberg - Einheitssch. - Hauslehrersch. - Sammel- und Lebensgemeinschaftssch.

Dietmar Haubfleisch hat die 'Berliner Reformpädagogik in der Weimarer Republik' in einem Überblick mit Forschungsergebnissen und -perspektiven zusammengestellt. Herausragend waren die 'Schulfarm Scharfenberg', die 'Einheitsschule' und die 'Berthold-Otto-Schule'. Dazu kamen noch mehrere Sammel- und Lebensgemeinschaftsschulen, bei denen es sich um den wohl umfangreichsten und konsequentesten Versuch 'antiautoritärer' Erziehung in der Geschichte der Pädagogik handelte. Bezeichnender Weise lagen diese Schulen in überwiegend proletarischen, kaum jedoch in bürgerlichen Bezirken. Die Schulen waren lebensnah und -offen, vom 'Geist der Selbstverwaltung' durchdrungen, nicht parteipolitisch und frei von jedem Zwang des Bekenntnisses.

  • Schulfarm Scharfenberg
    Die Schulfarm Insel Scharfenberg entstand aus einer freiwilligen Ferienschule ein öffentlicher Schulversuch als Jungeninternat. Der Lehrer Wilhelm Blume (1884-1970) startete 1922 mit zwei Kollegen und 22 Gymasiasten aus Berlin einen der erfolgreichsten reformpädagogischen Schulversuche. Durch die minimale Unterstützung der Stadt war die Schule auf sich selbst gestellt. Alle Arbeiten auf der Insel - von der Renovierung des Schulhauses, der landwirtschaftlichen Produktion (Teilautarkie), der Fährdienst zum 'Festland', Brennholzaufbereitung, ... regelten die Schüler in eigener Regie. Ganz von selbst ergab sich so der Zusammenhang von 'Kopf, Herz und Hand'. Ob praktische Tätigkeit, oder theoretische Durchdringung oder soziales Miteinander entstanden aus dem Lebenszusammenhang der Schule. Zeugnisse und Noten waren abgeschafft. 'Eine Schule, die ihr außerunterrichtliches Leben auf Selbsttätigkeit und Selbstverantwortung stellt, muß den Schülern auch im Unterricht die Möglichkeiten gewähren, ihre Anlagen zu prüfen und danach ihren Bildungsgang zu wählen.'
    1933 wurde W. Blum ein nationalsozialistischer Heimleiter zur Seite gestellt, 1934 wurde der Schulversuch als beendet erklärt. Die Schulfarm sollte in eine nationalsozialistische Musteranstalt umgewandelt werden. 1938 wurde die Schulfarm in 'Rudolf Hess Schule' umbenannt, aber der alte Name konnte sich behaupten.
    (Die Texte über die Entwicklung der Schule hat Dr. Dietmar Haubfleisch auf dem Server der Uni Marburg veröffentlicht. Vielen Dank!)

  • Fritz Karsen Einheitsschule
    Fritz Karsen (1985 - 1951) war Gründer der ersten Einheitsschule in Berlin-Neukölln. Aus dem Kaiser-Friedrich-Realgymnasium (seit 1921 Direktor) gliederte er Arbeiter-Abiturientenkurse und 1927 eine achtjährige Volksschule. Er bezeichnete seine Schule als 'Einheitsschule' und leitete diese bis zu seiner Entlassung 1933 durch die Nationalsozialisten. Der von Fritz Karsen geleitete Neuköllner Schulenkomplex stellt die von der internationalen reformpädagogischen Szene der 20er und frühen 30er Jahre am meisten beachtete Reformschule Berlins dar.

  • Bertholt Ottos 'Hauslehrerschule'
    BertholdBerthold Otto (1859 - 1933) ließ sich für die Gründung der Hauslehrerschule (Eine Schule, die im Haus des Lehrer etabliert war) von seiner Erfahrung mit dem Unterricht seiner eigenen Kinder und von Konzepten, die sich an J.F. Herbart orientierten leiten. Er konzipierte eine Werbebroschüre: Hauslehrer, die sich an Eltern und Erzieher wandte. So wurde das Kultusministerium auf ihn aufmerksam und ermunterte ihn, eine Schule zu gründen. 1906 begann er mit 17 Schülern zu denen auch seine eigenen Kinder zählten. In den 1 bis 2 stündigen Gesamtunterrichtsstunden nahm Berthold Otto das auf, was die Kinder einbrachten -'Der Schüler bestimmt, was behandelt werden soll, wie lange es behandelt werden sol und in welcher Reihenfolge... Es gilt grundsätzlich keine Beschränkung auf bestimmte Fächer'.
    Berthold Otto versuchte dabei auch 'komplizierte Sachverhalte sprachlich so darzustellen, daß Kinder sie verstehen konnten (Altersmundart). Berthold Otto unterrichtete oft im Freien (Schulgartenunterricht), es wurde handwerklich gearbeitet, Theater gespielt und auf Wunsch der Schüler gab es Sport. Auf Initiative der Schüler wurde ein Schülergericht eingerichtet - Berthold Otto selbst stand dem anfänglich skeptisch gegenüber, weil Strafen gegen seine pädagogischen Prinzipien waren.

  • Sammel und Lebensgemeinschaftsschulen

  • Literaturangaben/Rezensionen

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Diss. D. Haubfleisch


Berthold Otto
aus dem Gesamtunterricht